Im hellen Sommergewand, im Bergerehut, gerade so leicht und flüchtig wie einst, huschte Binia hervor, eine Gärtnerin hob warnend den Finger auf und rief ihr etwas wie eine Mahnung nach, dann schloß sich das Pförtchen wieder.
Man sah, wie Binia das Herzchen flog. »Josi, wie kommst du auch da her?« rief sie.
Eine ziemlich verlegene Begegnung. Ihm glüht der Kopf, er weiß nichts zu sagen.
Binia ist so schön, daß er es kaum wagt, ihr die Hand zu geben, und wie er die weichen Finger in den seinen hält, da ist ihm, er halte einen jungen Vogel, dessen Brust er schlagen fühlt.
Auch Binia ist verlegen. Sie verdeckt es, indem sie hastig erzählt, sie sei vom Markt, ehe es eine Aufseherin bemerkte, unter dem Vorwand, sie bedürfe neuer Schuhe, in eine Werkstätte geschlüpft, habe dort die Zeile geschrieben und nach der Heimkehr die Gärtnerin bestochen.
Nun lachte sie schelmisch auf, faßte Josi bei der Hand und zog den Willenlosen von der Klostermauer hinweg unter den Bäumen hindurch, bis sie an eine kleine stille Bucht kamen, wo eine Quelle in den See lief. Dort stand sie mit ihm still.
»Gelt, das ist schön hier, Josi,« sagte sie, »der See und die weißen Segel und der Duft um die Berge, aber im Kloster ist's häßlich!«
Traurig erwiderte Josi: »O Binia, ich gehe jetzt in die weite Welt — ich gehe nach Indien. Noch einmal aber habe ich dich sehen wollen. — Grad wie ein Engel bist du ja gegen mich gewesen im Teufelsgarten und weißt nicht, wie du mir dort in meiner unsäglichen Schmach wohlgethan hast! — Also lebe wohl, Bineli — ich wünsche dir tausendmal Glück und alles Gute!«
Er streckte ihr die Hand entgegen.
Binia machte ein sehr betrübtes und rührendes Schmollmündchen, das bebte, als wollte es weinen: