»O, ich habe den Nonnen manchmal den Spaß verdorben, und sie haben die Thäterin nie erwischt. Ich hätte mich auch für ein glückliches Vogelherzchen die ganze Woche einsperren lassen. — — Josi« — ihre Finger berührten seine Hand — »vielleicht bin ich auch einmal so ein armes Schelmchen — und dann kommt jemand Barmherziger und löst mich.«
Ein Strahl ihres dunklen Auges traf ihn, ihr Mund aber lächelte herzgewinnend.
»Bini, ich habe mir schon fast den Kopf zerbrochen, wie wir trotz dem großen Zorn deines Vaters zusammenkommen könnten,« stammelte Josi. »Und ich weiß es — es bleibt mir nichts anders übrig, als daß ich für unsere Liebe an die Weißen Bretter steige.«
Da lehnte sie ihr Köpfchen schluchzend an seine Brust: »Das willst du für mich thun, Josi! Nein — nein. — Das darfst du nicht. — Du würdest fallen, wie dein Vater gefallen ist. — Und denke an meinen Vater — ich habe ihn, wenn er auch manchmal wüst und böse ist, doch so stark lieb; ich möchte nicht, daß die Nachtbuben kämen, um dem Gemeinderat im Werben zu helfen, und die rasselnden Ketten um das Haus schleiften und riefen: 'Presi, gebt die Binia heraus!' Ich glaube, da würde er auch erst recht wild über dich.«
Sie sah ihn hilflos an.
»Binia, so thöricht bin ich nicht. Ich plane es anders! Kein Mensch weiß es, was ich thun will, dir aber, liebes Bineli, will ich es verraten. — In drei Jahren komme ich wieder heim, dann will ich St. Peter aus der Blutfron an den Weißen Brettern befreien. Um zu lernen, wie ich's angreifen muß, gehe ich mit George Lemmy nach Indien.«
»Josi! — Du willst St. Peter aus der Blutfron befreien.« — Ein überirdischer Glanz lag in ihren Augen und das Wort tönte wie ein Schrei. Sie schaute ihn staunend an, sie preßte seine Hände. »Josi, kannst du das? — Josi, ich glaube, das hat dir Gott eingegeben. — Ich halte dich nicht zurück — nein, lieber Josi, thu's — thu's! — Meine Gedanken sind mit dir, wenn du an den Brettern schaffen wirst.«
Weiter, weiter führte sie die Sonne unter Kastanienbäumen dahin, die ihre stachlichten Früchte auf den Boden fallen ließen. Tief unter ihnen gegen den See hin jauchzten die Winzer in den Reben.
Sie sahen aber das Leuchten der Natur nicht, sie hatten zu viel von Brust zu Brust zu tauschen.
Binia glühte für Josis Plan.