»Das ist lieb,« sagte sie leuchtenden Blicks. »Ich möchte gern ein Tautropfen sein, so rein, so frisch, so sonnenvoll, damit ich dir immer gefalle, Josi. Ich habe ein Kettelchen mit einer Kapsel von meiner Mutter selig, darein lege ich den Tropfen. Dann ruht er gewiß an einer treuen Brust. — Ich gebe dir diesen Mädchenreif — er ist zu klein für deinen Finger. — Aber trag ihn auf dir. — Küsse ihn jede Nacht und denke an mich.«
Sie schmiegte sich zärtlich an ihn, er küßte sie auf die Schläfe.
Da küßte sie ihn auf den Mund — er sie wieder.
Auf dem See lag ein weicher Abend und hüllte die Welt in Licht und goldigen Duft. Binia sah in süßer Träumerei vor sich hin. »In drei Jahren kommst du wieder, Josi. Und ich will dir treu warten und dann alle Tage hinaus gegen den Stutz schauen, ob du gegangen kommst.«
In der Dämmerung erreichten sie die Nähe der Stadt wieder. Binia war still. Die lange Wanderung hatte sie müde gemacht und ihre tolle Entweichung aus dem Kloster lag nun doch schwer auf ihren Gedanken.
»Was wird man dir anthun, arme Bini?«
Sie zwang sich zu einem Lächeln: »Auf einem kantigen Scheit werde ich neben der Nonne knieen müssen, welche die Nachtwache hat, und beten.«
»O, du armes Kind,« erwiderte Josi voll tiefen Mitleides.
»Nein, ich bin reich, ich denke dann immer an dich und an den langen schönen Tag.«
Wie mild und innig das von ihren Lippen floß. Josi wußte nicht, sollte er jauchzen vor Glück oder weinen, daß sie seinetwegen in so grausame Strafe kam.