Zwischen Thöni und Bälzis Aeltester, die im Bären Magd geworden war, kam es so weit, daß Frau Cresenz, um den Unwillen der Gäste gegen die Liebeleien zu beschwichtigen, das sonst anstellige Mädchen mitten im Sommer entlassen mußte. Jeden Abend, oft noch sehr spät, lief er aus dem Haus, man munkelte, zu ihr.
Es geschah aber heimlich und hinter dem Rücken des Presi, und Frau Cresenz schwieg, sie fürchtete die Händel.
So ging der Sommer.
Da machte Binia in den letzten Tagen zufällig eine merkwürdige Erfahrung. Ein alter ehrbarer Schweizermann, der ihr sehr streng geschienen hatte, den sie aber doch liebte, sagte Abschied nehmend zum Vater: »Schön ist's im Glotterthal — und ein Meitli[28] habt Ihr schon, Herr Präsident, daß man noch einmal jung werden möchte!«
[28] Meitli, schweizerdeutsch, so viel wie Mädchen, Tochter.
Nun horchte sie mit pochender Brust auf die Antwort des Vaters.
»Ja, meint Ihr, ich habe den Vogel nicht auch lieb? — Für wen rackere ich mich denn? Ich hätte den Mut für das Vielerlei des Geschäftes nicht ohne das sonnige Kind!«
Das sagte der Vater, der ihr nie ein warmes Wort, einen vollen rückhaltslosen Blick gab.
Sie mußte an sich halten, daß sie nicht laut aufjauchzte, sie rannte und sprang wie ein Reh und die Gäste fragten: »Haben Sie denn Sonntag in den Augen, Binia?«
»Ja freilich, das Leben ist halt schön!« lachte sie und fort war das Reh.