Bei dem Wort »Mutter« begann Binia zu schluchzen. Eine Mutter! In ihrem Leben noch einmal eine Mutter. Das war ein stürmischer Angriff.
»Die oberflächlichen Leute meinen,« fuhr der junge Mann fort, »Sie seien nur ein überaus gescheites, allerliebstes Naturkind, aber ich will es Ihnen sagen: Sie sind ein großes, liebeheischendes, heißes Herz — und wenn ich Sie verstanden habe, wenn Sie es sind, Binia, so gehen Sie um Ihres eigenen Glücks willen nicht kalt an mir vorbei. Darf ich mit dem Herrn Präsidenten reden?«
Wie die Männerstimme zitterte!
»Nein — nein — Herr Doktor, nein,« erwiderte sie angstvoll, »ich ehre Sie — ich will Ihnen ein Geheimnis verraten — ich bin verlobt.« — —
Da ging der junge Mann in tiefer Trauer. Er schrieb ihr aber später: »Ich weiß, was ich verloren habe, Sie einzige — tausend-, tausendmal Glück!«
Ueber diesen Brief weinte sie bitterlich. Sie wußte es, sie hätte froh werden können mit dem Manne. Und, seine Hand wäre Rettung vor Thöni Grieg gewesen.
Wozu diese wahnsinnige Treue für Josi? Das fünfte Jahr erfüllte sich jetzt bald, daß er fortgegangen war.
Tiefen Kummer bereitete ihr die durch das schlechte Sommerwetter entstandene Stimmung im Dorf.
Wenn man nur mit dem Vater reden, ihn warnen dürfte, aber er ist wie ein Pulverfaß. Man darf nicht an ihm rühren. Alles muß sich vor ihm drücken. Thöni — Frau Cresenz — am meisten sie selbst: »Bini,« donnert er sie an, »Gott's Hagel — ich mache das Wetter nicht, lasse mich mit den Kälbern im Dorf in Ruh'.«
»Binia,« sagten die von St. Peter, »Ihr seid ja lieb und gut, aber wir wollen nichts aus dem Bären, es klebt Unglück daran,« und einige Weiber erklärten es frei heraus: »Kommt uns nicht mehr ins Haus. Wenn Ihr schon so lieb lächeln und reden könnt, mit Euren dunklen Augen seid Ihr doch eine Hexe und der Bären ist das Unglück von St. Peter.«