»Lebt wohl, Tante, Frau Präsident,« ruft er. »Nach der Postkasse fragt nicht — ich gehe nach Amerika — und der Revolver ist für Verfolger geladen.«
»Er geht den rechten Weg,« knirscht der machtlose Presi, der sich ans Fenster geschleppt hat.
Eine Nacht ist eingefallen, wie man sie im Bergland selten erlebt.
Der Föhn fährt in Stößen von den Gipfeln, heiß im einen Augenblick, im nächsten bis ins Mark erkältend. Die Wolken jagen sich, stieben schwarz und schwer über die Hausdächer dahin, die Blitze erleuchten das Thal taghell, die schäumenden Wasser der Glotter erglänzen. Dann ist wieder pechschwarze Nacht. Jetzt spielen die Feuerflammen um die Krone, der Firn funkelt und leuchtet. Unaufhörlich knattert der Schnee- und Eisbruch im Gebirg, an den Bergwänden verfängt sich der schmetternde Donner, rollt und grollt, das Krachen der frischen Schläge wird verstärkt durch den Wiederhall der vorangehenden und rings im Gebirg sind die Runsen los. Die Berge wanken, es ist, als ob, was tausend Jahre fest und starr gewesen ist, plötzlich lebendig würde und wandern müsse. Es ist ein Bild wie Weltuntergang!
Die Wetterglocken von St. Peter wimmern durch den Aufruhr der Elemente.
In allen Häusern brennt Licht, um den Tisch sammeln sich bleiche Gesichter, in den Händen der Beter beben die Kruzifixe, und selbst die Gottlosen falten die Hände und seufzen: »Herr! — Herr!« —
»Es ist eine Totennacht,« flüstern die Aelpler. In dieser Nacht steht nach uralter Sage ein geheimnisvolles, im Bergland begrabenes Kriegsvolk auf und zieht zur Heimat. Da darf niemand ins Freie blicken, denn wer die Reiter sieht, wird vor Schrecken siech:
Es donnern die reitenden Boten:
»Gebt Raum für das irrende Heer,
Es fahren, die Goten, die toten,
Vom Bergland ans heilige Meer.«
Frau Hulder auf leuchtendem Schimmel
Sprengt jauchzend den Reitern voran,
Sie ziehn auf der Erde, am Himmel;
Sie kämpfen und brechen sich Bahn.
Von reisigen Vätern und Söhnen,
Wallt klirrend der Heerzug durchs Thal, —
Die Trommeln, die Hörner erdröhnen —
Sie reiten in brennender Qual.