Eine Weile hat ihr allerdings die wohlgemeinte Warnung und Drohung des Pfarrers Zügel angelegt, aber jetzt knurren die Dörfler: »Der Alte wagt es nicht, uns die Kirche zu verschließen, wir wollen ihn schon meistern,« und die Weiber hangen an Kaplan Johannes. »Er hat ein besseres Herz für uns als der Pfarrer, der nichts von unseren alten heiligen Sagen wissen will.« Und wenn ein Halbvernünftiger noch den Einwurf erhebt, man wolle doch nicht so stark zu einem Verrückten halten, sonst komme man gewiß an ein böses Ziel, antworten die anderen: »Kaplan Johannes ist schon närrisch, aber gerade denen, die Gott etwas geschlagen hat, giebt er dafür besondere Weisheiten. Der Kaplan Johannes sieht und weiß mehr als sieben Pfarrer.«
Er hat gute Zeiten, sein Bettelsack ist immer voll, wo er geht, rufen die Weiber: »Kommt doch ein wenig zu uns herein, Johannes!« Klagt ein Bauer: »Meine Kühe fressen nicht mehr und geben keine Milch,« so antwortet Johannes: »Merkt Ihr es, merkt Ihr es! Das kommt vom Teufelssalz. Das ganze Thal riecht nach Schwefel.« Nun spüren auch die Dörfler den Geruch. In irgend einem Haus ist eine schwere Geburt. »Seht Ihr,« flüstern es die Frauen einander zu, »die Kinder können nicht mehr zur Welt kommen. Das rührt vom Sprengen her!«
Die von St. Peter spüren es kaum, wie der Kaplan ein Netz des Aberglaubens um sie zieht.
Und plötzlich geht die feste Sage unter denen von St. Peter, es sei eine weiße arme Seele durch das Dorf gewandelt und habe dreimal gerufen:
»O weh, o weh — am Teufelssalz
Stirbt dieser Tage Jung's und Alt's!«
So in drei Nächten!
Und warum rollen die Gletscher im Herbst, wo sie doch sonst schweigen? Das bedeutet: »Am letzten Weinmonat geht St. Peter mit Menschen und Vieh unter. In dem Augenblick, wo der Wasserhammer der neuen Leitung einsetzt, verlassen die erzürnten armen Seelen die Krone, die Firnen fallen mit so schrecklichem Donner auf das Dorf, daß das bloße Hören schon tötet!«
Drei Männer nur noch, der Presi, der Garde und der Pfarrer, und einige stille, wie Eusebi und Peter Thugi, glauben an Josis Werk.
Die Regierung hat sich übrigens auch nicht ganz von dem Werk zurückgezogen, wie sie drohte, sie meldet, sie hoffe, die Leute von St. Peter haben sich, da das Werk einen so erfreulichen Fortgang nehme, wegen des Dynamites beruhigt, und lade den Gemeinderat ein, auf den Tag der Vollendung, den letzten Weinmonat, ein hübsches Gemeindefestchen zu Ehren Josi Blatters zu veranstalten. Sie wolle sich dabei vertreten lassen und ersuche Josi Blatter, daß er die letzten rettenden Schüsse auf diesen Tag verspare, an dem man, während im Thal die Glocken läuten, in feierlicher Prozession an die Weißen Bretter ziehen wolle.
Dazu schütteln der Garde und der Presi wehmütig und ungläubig die greisen Häupter, aber es ist gut, wenn auf diesen Tag jemand von der Regierung kommt — vielleicht ist dann ein Mann der Staatsgewalt am nötigsten — es wird der Tag sein, wo in St. Peter der Aufruhr losbricht, denn so sind die Leute des Thales — sie warten in der Voraussetzung, daß doch irgend noch ein Ereignis geschehen und ihre That überflüssig machen könnte, den letzten Augenblick zum Handeln ab.