Fränzi fuhr zusammen: »Peter, vergieb Seppi, er hat in seiner Qual nicht gewußt, was er sagte!«
Sie war aufgestanden, sie hatte seine Hände ergriffen, sie sank vor ihm in die Kniee, umklammerte seine Fäuste: »Peter, Peter, sei barmherzig!«
Seltsam! — In ihrer wilden Erschütterung gefiel ihm Fränzi wieder — er mißtraute aber der Empfindung — er fürchtete eine Uebereilung — darum war er hart gegen sie. Er schleuderte sie röchelnd von sich: »Das Greinen und Betteln kann ich schon gar nicht leiden. — — Und das 'Schlechthundekind' muß gestraft sein!«
Als er sie von sich stieß, löste sich Fränzis prächtiges dunkles Haar, mit fliegender Brust stand sie einige Schritte entfernt vor ihm; die Leidenschaft hatte sie um zehn Jahre verjüngt, aber ihre Stimme zitterte.
»Wenn nicht um meinet- und meiner Kinder willen, so sei's um deinet- und Binias willen — sei barmherzig gegen dich selbst — und gegen dein Kind!«
Der Presi blickte das leidenschaftliche Weib begehrerisch an, wüste Züge entstellten sein Gesicht und gaben ihm einen tierischen Ausdruck; die Augen traten hervor und funkelten. Mit erstickter Stimme sagte er: »Fränzi — ich will alles wieder gut machen, Fränzi — — aber gieb mir einen Kuß — wie einst!«
Sie starrte ihn verständnislos an; dann fragte sie allen Ernstes: »Bist du wahnsinnig geworden, Peter, — ich habe ja einen Mann und Kinder!«
»Dann geh'!« knirschte er.
»Ich gehe, aber noch einmal: mache das Böse gut — sonst — Peter — bei der seligen Beth — die vom Himmel auf dich sieht — bei den armen Seelen, die im Eise stehen — es kommt ein Schaden über dein Kind — und Beth — das weißt du — hat auf dem Totbett gesagt, ich möchte dich mahnen, wenn Unglück für Binia im Verzuge sei. Peter, Peter, richte dich nicht selbst!«
»Seit wann bist du unter die Bußpfaffen gegangen, Fränzi?« Und mit steigender, kreischender Stimme schrie er: »Jetzt mache, daß du fortkommst, sonst —«