Sie reicht ihm ihre Tröstungen.
Der Priester spricht zu Seppi Blatter: »Du hast gebeichtet und den Leib des Herrn gegessen. Du gehörst nicht mehr dieser Welt, lege ab die irdischen Gedanken und sinne auf deine Seligkeit. Giebt dich Gott in seiner grenzenlosen Güte der Erde zurück, so dank' es ihm ewiglich.«
Da pocht es ans Fenster. Josi, der hinausblickt, sieht drei große gelbe Augen, die gegen das Haus leuchten, die Windlichter für den Marsch durch den dunklen Wald. Er sieht ein Trüppchen Männer.
»Vater, ich will mit dir gehen!« fleht er.
»Bist ein thörichter Bub[16].« Rauh sagt es Seppi Blatter. Josi weiß, es ist nicht böse gemeint, aber die Thränen treten ihm in die Augen.
[16] Bube, schweizerdeutsch, so viel wie Knabe ohne die Nebenbedeutung des Verächtlichen, die das Wort im Schriftdeutschen angenommen hat.
Da pocht es zum zweitenmal scheu wie vorhin, als fehle denen draußen der Mut, stark zu klopfen.
Lautes Weinen erhebt sich in der Stube — unter der Thür erscheint der Garde, er zieht das dicke Nürnberger-Ei aus der Tasche. »Im Augenblick ist es eins!«
Garde und Pfarrer ziehen sich zurück, die Haushaltung Blatter ist allein. Geduldig warten die Männer, da kommt vom Kirchturme herüber der schwere scharfe Einsschlag.
Seppi Blatter tritt unter die Hausthüre: »Ich bin bereit!« Fest und mannhaft soll es klingen, aber es rasselt, daß es den Männern schier die Brust zerreißt. Die Windlichter verschwinden gegen den dunkeln, schauernden Alpenwald empor, sie sind nur noch winzige gelbe Punkte.