Sie war wohlwollend zu ihm. Es aber stellte sehr sonderbare Fragen: »Du, Susi, hat mein Vater meine Mutter stark lieb gehabt?« — Wie kam es auf diese Frage? Seit drei Jahren war die selige Beth tot. Als das Kind in sie drang, antwortete Susi: »Natürlich, du Närrchen, hat der Vater die Mutter lieb gehabt.«

Das Kind fuhr mit dem Köpfchen aus dem Kissen, richtete mit unaussprechlicher Verachtung die Augen auf sie: »Du lügst, Susi, er hat sie gar nicht geliebt. Ich frage dich nichts mehr!«

Susi ging im Bewußtsein, daß sie gelogen habe, schamrot aus dem Kämmerlein.

Aber die Neugier trieb sie zu Binia zurück. Sie fuhr das Kind barsch an: »Binia, wer hat dich besprochen — du bist besessen.«

»Laß mich,« schreit Binia, »ich bin krank — geh!«

Susi läßt sich nicht abweisen: »Der Kaplan Johannes schlarpt eben mit dem Bettelsack durchs Dorf, der soll dich heilen. Ich rufe ihn!«

»Nein, — nein« — kreischt die Kleine und zittert am ganzen Leib, und wie Susi eine Bewegung gegen die Thüre macht, fällt sie ihr um die Kniee.

»Ums Himmels willen rufe den Kaplan nicht.«

Susi drauf: »Gelt, der ist's, der dich besprochen hat! Jetzt haben wir's schon — dich und Josi. Ist Josi bei dir gewesen?«

»Ja, wir sind auf der Brücke gekniet — das war aber nur Scherz. — — Nein, dir, erzähl' ich's nicht, du lügst und bist so dumm.«