»Ja, die Fremden sind ein verrücktes Volk,« meinte der Fenkenälpler, die dicke Bäliälplerin aber jammerte und zürnte: »Was mir geschehen ist! Kommt, wie ich an nichts denke und meiner Wege gehe, so eine Nichtsnutzin auf mich zu und sagt: 'Frau, Ihr raucht einen bösen Knaster, Ihr verderbt die reine Alpenluft — legt doch lieber die Pfeife weg — es schickt sich an uns Frauen ja gar nicht, daß wir Pfeifen rauchen.' Da habe ich aber — reine Alpenluft hin und reine Alpenluft her — ihr zu leid so genebelt, als ob die Hasen backen[24] würden.«

[24] »Die Hasen backen«, sagt das Volk, wenn nach langem starkem Regen die Nebel aus den Wäldern steigen.

»Tausendmal recht habt Ihr gehabt,« erwiderte der Fenkenälpler. »In St. Peter sind wir noch Meister — und wir lassen die Fremden ja im Frieden herumkalbern!«

Schlimmer noch. Die Weiber von St. Peter wollten nicht mehr in den Leinenhosen, die sie sonst sommers über zur Arbeit trugen, durchs Dorf auf Alpe und Feld gehen. Die Fremden schauen sie so neugierig an und lachen über das Kleid, klagten sie.

»Wenn ich einmal einen lachen sehe, bekommt er Ohrfeigen,« quiekte der Glottermüller.

Der Presi aber rieb sich im Herbst die Hände: »Ta-ta-ta, das Fremdenwesen geht gut. — Schwager Kreuzwirt, ich danke Euch.«

Die Dörfler mochten schimpfen, er war hellauf, wie seit Jahren nicht mehr; er schlang den Arm um die Hüfte der stattlichen Frau Cresenz: »Gut ging's!« Sie streifte seinen Arm ab und lachte: »Ihr seid doch kein Jüngling mehr, Präsident.«

Das Ehepaar redete sich mit »Ihr« an, die Frau nannte ihren Eheherrn auch nie »Presi«, sondern »Präsident« und die Gäste waren noch höflicher. Sie riefen ihn »Herr Präsident«. Das klang ihm freilich schöner in die Ohren als das dörfliche »Presi«.

Manchmal ärgerte er sich, wenn Frau Cresenz wie heute so kühl war, manchmal aber schmeichelte er ihr erst recht.

»Etwas Klügeres als Euch zu heiraten, hätte ich nicht thun können. Ihr seid die Wirtin, wie sie im Buche steht, Ihr seid freundlich mit allen Gästen, doch mit keinem zu viel, Ihr führt ein gutes Hausregiment. Aber wißt, ein bißchen zärtlicher hätte ich Euch schon gern. Habt Ihr denn gar nichts vom Thöni, hinter dem muß man ja immer mit dem Donnerwetter her sein, daß er nicht beständig an den Schürzen der Mägde hängt.«