Manch eine Frucht seiner tiefen, geläuterten Lebensanschauung, um die ich im Norden vergebens rang, senkte sich unter dem grünen Laubdach leicht und zwangslos in die Seele.

Dann wanderte ich hinunter in die Stadt, von der ich gerne viel Schönes und Interessantes schreiben würde; doch ist Monfalcone nicht anders als irgend eine italienische Kleinstadt der Lombardei oder der Toskana. Vor mancher andern zeichnet sie sich durch eine gewisse Reinlichkeit vorteilhaft aus, obwohl sich noch italienischer Absonderlichkeiten genug vor den Blick des Fremden drängen.

Die alten römischen Städte hatten ihr Forum, die neuen italienischen, auch die kleinsten, wollen nicht ohne ihre »Piazza grande« sein. Auf derjenigen von Monfalcone steht, vielleicht in Nachahmung der drei Mastbäume auf dem Markusplatz zu Venedig, eine hohe Stange mit dem Wappentier der Stadt, dem Falken, auf der Spitze.

Es erinnert daran, daß die Burg, jene verwitterte Rocca, im Mittelalter, als von der Longobardenzeit her noch ein deutscher Adel über die Gegend herrschte, die »Falkenburg« hieß. Ihren ins Italienische übersetzten Namen hat dann mit dem Emporkommen italienischer Volkselemente das Städtchen selber angenommen, während sein ursprünglicher deutscher – Neuenmarkt – in Vergessenheit geriet.

Einige Gebäude unter dem Häuserviereck, welches die Piazza grande umschließt, sehen recht gedeihlich aus. Der schönste Schmuck des Platzes indes ist das in schlichtem Tempelstil gehaltene Stadthaus mit einem daran stoßenden kleinen Park.

Das Kasino im Erdgeschoß des Gebäudes und die Vortreppe desselben bilden den Sammelort der vornehmen Welt von Monfalcone, doch beschränkt sich diese auf einige reiche Grundbesitzer, einige Rittmeister außer Diensten, einige Handelsleute und ein paar kleine Rentiers.

Auf der Piazza entfaltete sich in den Morgenstunden ein lebhafter Markt, besonders stellen sich die Karstbauern mit ihren Fuhren von Wurzelwerk und Staudenholz ein; denn der Holzbedarf einer furlanischen Städterfamilie wird entweder täglich oder wöchentlich, selten aber durch große Einkäufe gedeckt. Der Mangel an diesem so unentbehrlichen Feuerungsmaterial ist fühlbar, die Qualität des Holzes sehr gering, da es fast ausnahmslos aus zehn- oder zwanzigjährigem Niederwald stammt. Längs des Stadthausparkes sind die Stände des Fischmarktes; doch kommen in Monfalcone selber nur die geringsten Sorten der Seeflosser, am häufigsten der Tintenfisch und der Aal, zum Verkauf; die schmackhafteren wandern fast alle auf binnenländische Märkte, besonders nach Wien.

Östlich von der Piazza liegt der Kern des Städtchens, ein Viereck älterer Gebäude. Aus der Mitte steigt der Campanile der Parochialkirche, ein zierlicher Bau, dessen achteckiger Helm von acht Säulen getragen wird. Vier schöne Glocken schimmern zwischen denselben durch.

Ich war entzückt, als ich das reine volle Geläute zum erstenmal hörte, allein es hat den Fehler eines Plauderers: man hört es zu viel; es ist keine Stunde in der Morgenfrühe, keine im Tag und keine am Spätabend, wo nicht Glockenklänge über das Städtchen hallen. Dazu hat der Italiener eine bewundernswerte Virtuosität, Mannigfaltigkeit in die Tonregister des Geläutes zu bringen, eine Virtuosität, die in abgebrochenen kurzen Klängen und in wimmerndem Gebimmel das Höchste leistet.