25′: 6000′ (d. i. 1 Seemeile) = 15 Secunden: 3600 Secunden (d. i. 1 Stunde) = 1:240.[27]

So viele Knoten das Schiff in 15 Secunden zurücklegt, so viele Seemeilen macht es in der Stunde. Drei Matrosen stehen am hinteren Ende des Schiffes. Der erste hält die Logleine auf der Rolle, der zweite das Logglas, eine Sanduhr, die in 15 Secunden abläuft, der dritte wirft das Logbrett über Bord und ruft, so wie das bezeichnete Ende des Vorläufers durch seine Hand läuft, dem zweiten zu, die Sanduhr umdrehen. Sowie die Sanduhr abgelaufen, hält er die Leine fest und zählt beim Einziehen die Zahl der Knoten. Davon kommt die uns Landratten so schwer verständliche Bezeichnungsweise, das Schiff macht 19 Knoten.

Das Patentlog, welches auf den grösseren Dampfern benutzt wird, hat Schraubenflügel, die nach Massgabe der Fahrgeschwindigkeit sich drehen; das Zählwerk im Messinggehäuse ist am hinteren Ende des Schiffsbords angebracht, der Zeiger giebt die zurückgelegte Meilenzahl an.

Aber der Seemann verlässt sich nicht auf eine einzige Messungsart; er bestimmt ausserdem, so oft es angeht, die geographische Länge und Breite seines augenblicklichen Standortes.

Eine vollständig zuverlässige Uhr (Chronometer) zeigt den Augenblick, wann es in Greenwich, dem Anfangspunkt der Meridiantheilung, Mittag ist, d. h. die Sonne den Meridian von Greenwich passirt. Da die Sonne scheinbar in 24 Stunden 360 Grade durchläuft, so legt sie in einer Stunde 15 Bogengrade, in einer Zeitminute 15 Bogenminuten, in einer Zeitsecunde 15 Bogensecunden zurück. Ein 15° westlich von Greenwich gelegener Punkt hat Mittag, wenn die Uhr von Greenwich 1 Uhr Nachmittags zeigt. So wird die westliche (oder östliche) Länge festgestellt. Die nördliche (oder südliche) Breite aber mittelst des von Newton erfundenen Spiegelsextanten, mit dem man die grösste Erhebung der Sonne über den Gesichtskreis (um die Mittagszeit) in Winkelgraden abmisst.

Was aber leitet den Seemann bei Nacht und bei Nebel, um den so gefürchteten Zusammenstoss zu vermeiden?

Bei unserer abendlichen Wanderung durch das Schiff haben wir am vorderen Ende des Dampfers uns umgewendet und die berühmten drei Lichter gesehen, die jedes Schiff auf der Fahrt bei Nacht führen muss. Von Sonnen-Untergang bis -Aufgang sind die drei Laternen in Brand zu halten; und zwar führen Seedampfer während der Fahrt an der Spitze des Vormastes ein hellweisses Licht von solcher Stärke, dass es in einer dunklen, nicht nebligen Nacht mindestens auf 5 Seemeilen sichtbar ist. Dasselbe bestrahlt 20 Compassstriche, ist also von vorn und von den Seiten, nicht aber von hinten zu sehen. Ferner muss an der rechten oder Steuerbord-Seite ein grünes, an der linken oder Backbord-Seite ein rothes Licht angebracht sein, jedes mit einem Lichtbereich von zehn Compassstrichen und so mit Seitenschirmen versehen, dass von rechts neben dem grünen nicht auch das rothe gesehen werden kann; und von links neben dem rothen nicht auch noch das grüne. Diese Lichter sollen bei dunkler, nicht nebliger Nacht auf 2 Seemeilen erkennbar sein.

Nach rechts wird ausgewichen, wenn man die drei Lichter eines andern Schiffes vor sich sieht: ein merkwürdiger Anblick, den man aber auf hoher See sehr selten erlebt.

Und bei Nebelwetter, gleichviel ob es Tag oder Nacht ist, hat jedes Schiff in Fahrt alle 5 Minuten ein hörbares Zeichen zu geben, die Dampfschiffe mit der Dampfpfeife. Schauerlich klingt das Nebelhorn, wenn der weite Meereshorizont sich so eingeengt hat, dass man kaum über die Schiffsbreite hinweg etwas erkennen kann.

Und gespenstig ertönt die Antwort aus nächster Nähe, (wir schätzen die Entfernung auf eine Seemeile,) ohne dass wir durch den dicken Nebel das Geringste von dem andern Schiffe zu erkennen vermögen; aber bald verklingt der fremde Ton, wir haben uns weit von einander entfernt. Ein einziges Mal habe ich dies erlebt. Nicht Sturm und Unwetter bildet auf hoher See die Hauptgefahr für ein gutes Schiff, sondern Zusammenstoss. Das folgt aus der Liste der Unglücksfälle; das begriffen wir leicht, als wir im Canal ganz dicht an dem von New-York zurückkehrenden Schwesterschiff vorbeifuhren. Alles ist vorbereitet, die Musikbanden spielen, alle Seeleute und Reisende sind auf Deck; aber man hat kaum Zeit den Hut zu schwenken, und schon sind wir an einander vorbeigefahren.