Diese Zimmer, welche die eine Vorderseite der Wohnung darstellten, dehnten sich in gerader Linie aus und die Fenster sahen auf das Thal von Aunay hinaus.

Die andere Seite der Behausung bestand aus vier, den ersteren ganz gleichen Zimmern. Die Küche, auf der entsprechenden Seite, stand mit dem Esszimmer in Verbindung; dann folgte ein grosser Hausflur, der als Eingang in das Bibliothekzimmer diente; eine Art Boudoir in Verbindung mit dem Schlafzimmer.

Diese letzteren Zimmer gingen nach der entgegengesetzten Seite des Thales hinaus und sahen auf den Turm von Croy und Châtillon.

Die Treppe war an einem der Flügel des Hauses von aussen angebracht; Herzog Jean hörte dadurch die Tritte seiner Dienstboten weniger deutlich.

Er hatte das Boudoir mit einem lebhaft roten Stoff ausschlagen lassen, und an allen Wänden des Raumes hingen in schwarzen Ebenholzrahmen Kupferstiche von Johann von Luyken, einem alten holländischen Kupferstecher, der in Frankreich fast unbekannt war.

Er besass von diesem phantastischen, unheimlichen und grausamen Künstler die Serie seiner „Religionsverfolgungen“, wahrhaft entsetzliche Blätter, die die Martern des religiösen Wahnsinns vorstellten, Bilder, auf denen der Anblick unheimlicher menschlicher Qualen geboten wurde: Körper auf Kohlenglut gebraten, der Schädelhaut beraubte Köpfe, von Nägeln durchbohrt, tiefe Einschnitte von Sägen herrührend, Eingeweide aus dem Leibe gerissen und auf Knäule gerollt, langsam mit Zangen losgelöste Fingernägel, ausgestochene Augäpfel, Augenlider, die mittels spitzer Instrumente umgekehrt waren, verrenkte Glieder, mit Sorgfalt gebrochen, blossgelegte Knochen, langsam mit der Klinge des Messers abgeschabt.

Diese Werke, abscheuliche Phantasiegebilde, die nach verbranntem Menschenfleisch rochen, Blut schwitzten und erfüllt waren vom Schrei des Entsetzens und der Verfluchung, liessen dem Herzog Jean, den sie mit verhaltenem Atem in dieses rote Kabinett bannten, geradezu die Gänsehaut überlaufen.

Aber ausser dem Schauder, den sie ihm bereiteten, ausser der gewaltigen Begabung dieses Künstlers, dem ausserordentlichen Leben seiner Figuren entdeckt man bei seinem erstaunlichen, seltenen Talent zur Gruppierung, die er mit einer an Callot erinnernden Geschicklichkeit und Schärfe zur Ausführung bringt, wunderbare Fähigkeiten zur Wiedergabe gewisser Zeitstadien: z. B. seine Architekturen, Kostüme und Sitten zur Zeit der Makkabäer, dann während der Christenverfolgung zu Rom; in Spanien, unter der Herrschaft der Inquisition; in Frankreich im Mittelalter, sowie zur Zeit der Pariser Bluthochzeit und der Dragonaden, die alle mit peinlicher Sorgfalt aufgefasst und mit ausserordentlicher Kunst wiedergegeben sind.

Diese Kupferstiche waren treffliche Quellen für mancherlei Aufschlüsse; man konnte sie stundenlang betrachten, ohne zu ermüden; sie führten zum Nachdenken und halfen dem Herzog Jean oft die Zeit töten, wenn er keinen Sinn zum Lesen hatte.

Auch das Leben von Luyken hatte einen gewissen Reiz für ihn. Eifriger Calvinist, verstockter Sektierer, vernarrt in Hymnen und Gebete, stellte er religiöse Poesien zusammen, die er gleichsam illustrierte. Er schrieb die Psalme in Verse um, vertiefte sich in die Bibel, von der er entzückt und gleichzeitig erschüttert wurde.