Wie durch Zauber verschwinden diese Schatten, eine sanfte Traurigkeit, eine kraftlose Verzweiflung bemächtigt sich seiner Gedanken und er stellt lange Betrachtungen vor diesem Werke an.

Ausser dieser Sammlung von Zeichnungen von Redon, die fast alle Wände des Vorzimmers zierten, hatte Herzog Jean in seinem Schlafzimmer eine sonderbare Skizze von Theocopuli: einen Christus. Es war ein Bild in unnatürlichen Farbentönen, von übertriebenen Linien und grausamer Färbung, ein Bild der zweiten Periode dieses Künstlers, als er die Idee aufgegeben hatte, nicht mehr Tizian ähnlich zu sein.

Diese unheimliche Malerei, die in Wachsfarbe und Leichengrün ausgeführt zu sein schien, entsprach nach des Herzogs Ansicht einer gewissen Übereinstimmung mit dem Mobiliar.

Seiner Meinung nach gab es nur zwei Arten, um ein Schlafzimmer einzurichten: entweder ein Alkoven, der Ort nächtlicher Ergötzung, oder ein Plätzchen der Ruhe und Einsamkeit, eine Zufluchtsstätte des Gedankens, eine Art Betzimmer.

Nachdem er die Frage von allen Seiten beleuchtet hatte, folgerte er, dass das zu erreichende Ziel sich darin zusammenfassen liesse: mit freundlichen Gegenständen eine traurige Sache zu schaffen, oder vielmehr, wenn man dem Schlafgemach auch den Charakter der Hässlichkeit lässt, doch dem Ganzen eine Art von Eleganz und Vornehmheit aufzudrücken. Durch die Optik des Theaters, dessen gemeiner Flitterkram wie kostbare und teure Gewebe aussieht, die absolut entgegengesetzte Wirkung zu erzielen, indem man sich prächtiger Stoffe bedient, um ihnen den Anstrich der Dürftigkeit zu verleihen; mit einem Wort eine Karthäuserklause herzustellen, die aussah wie eine wirkliche.

Er verfuhr in folgender Weise: um die ockerartige Mauerfarbe, das vorgeschriebene geistliche Gelb, nachzuahmen, liess er die Wände mit safrangelber Seide bekleiden. Um aber die Schokoladenfarbe der Panele wiederzugeben, liess er sie mit violettfarbenen Holzleisten, die mit Amarantfarbe dunkel gebeizt waren, bekleiden. Die Wirkung war frappant; sie konnte von weitem an die düstere Starrheit des Vorbildes erinnern. Der Plafond wurde in Gelbweiss tapeziert, das den Kalk ersetzte, ohne dessen grellen Schein zu haben. Die kalten Steine der Zelle gelangen in der Nachbildung ziemlich gut dank einem Teppich, dessen Muster rote Fliesen vorstellte, mit weisslichen Stellen in der Wolle, welche die Abnutzung durch Sandalen und die Reibung durch Stiefel darstellen sollten.

Er möblierte dieses Gemach mit einem kleinen eisernen Bett, einer Art Mönchsbett, aus antikem Eisen geschmiedet und poliert, am Fussende mit reich aufgetragenen Verzierungen versehen.

Die Stelle eines Nachttisches vertrat ein Betstuhl, dessen Inneres ein Nachtgeschirr enthalten konnte und dessen Aussenseite eine Kirchenagenda trug. Gegenüber an der Mauer liess er einen Kirchenstuhl anbringen, der von einem durchbrochenen Altarhimmel überragt wurde, verziert mit vorspringenden Stützen. Die hohen Kirchenleuchter ersetzte er durch Lichter aus reinem Wachs, die er in einem besonderen Geschäft kaufte, das nur Kirchenartikel führte, denn er hegte eine grosse Abneigung gegen Petroleum oder Stearin, kurz gegen alle und jede moderne Beleuchtung, da sie ihm zu grell und unzart erschien. –

Des Morgens in seinem Bett, ehe er einschlief, den Kopf auf dem Kopfkissen, seine Umgebung betrachtend, stellte er sich leicht vor, dass er sich hundert Meilen von Paris befinde, weit weg von der Welt, im Innern eines Klosters.

Und im Grunde genommen war die Täuschung leicht, da er ein Leben führte, das dem eines Mönches fast gleichkam. Er hatte sich auf diese Weise die Vorteile der Abgeschlossenheit verschafft. Wie er seine Zelle zu einem warmen, angenehmen Zimmer gemacht, hatte er sein Leben regelmässig und bequem gestaltet, umgeben von Wohlbehagen, beschäftigt und dennoch frei. –