Er hatte richtig kalkuliert: Das Getäfel veränderte sein Blau nicht, es wurde gehalten und erwärmt durch das Orangegelb, welches ebenfalls Farbe hielt, unterstützt und belebt durch den kräftigen Zug der blauen Farben.

Was die Möbel anbetrifft, so hatte Herzog Jean keine allzu grosse Mühe, da der einzige Luxus dieses Zimmers nur aus Büchern und seltenen Blumen bestehen sollte; er begnügte sich damit, an den Wänden Bücher- und Fachschränke aus Ebenholz aufzustellen, indem er sich für später vorbehielt, die frei gebliebenen Zwischenräume mit einigen Bildern und Zeichnungen zu schmücken. Dann liess er den getäfelten Fussboden mit Fellen von wilden Tieren belegen. In der Nähe eines grossen massiven Tisches aus der Mitte des 15. Jahrhunderts standen tiefe Lehnstühle und ein altes Kirchenpult aus Schmiedeeisen – eines jener antiken Chorpulte, auf welches ehemals der Diakonus das Chorbuch gelegt, und auf dem jetzt einer der schweren Folianten des Glossarium mediae et infimae latinitatis von dem Gerichtsschreiber du Cange stand.

Die Fenster, mit Scheiben aus bläulichen Flaschenböden von rissigem Schmelz und Goldrand, schnitten die Aussicht auf das Land ab und liessen nur ein gedämpftes Licht eindringen; sie wurden ausserdem mit Vorhängen aus alten Messgewändern verhängt, deren dunkles, fast rauchiges Gold sich in einem matt rotgelben Gewebe verlor.

Und endlich noch befand sich auf dem Kamine, dessen Bekleidung ebenfalls aus einem prachtvollen florentinischen Messgewand hergestellt war, zwischen zwei Monstranzen aus vergoldetem Kupfer byzantischen Stils, welche der alten Abtei Bois-de-Bievre entnommen waren, eine wunderbar schöne Messtafel mit drei getrennten Fächern von ausserordentlicher Zartheit; unter dem Glas ihres Rahmens sah man ferner auf Pergament in entzückender Messbuchschrift kopiert und mit kostbarer Ausmalung versehen drei Werke von Baudelaire: zur Rechten und Linken Sonette mit dem Titel „der Tod der Verliebten“, „der Feind“ – und in der Mitte in Prosa: „Any where out of the world“.

ZWEITES KAPITEL.

Nach dem Verkauf seiner Güter nahm Herzog Jean die alten verheirateten Dienstleute zu sich, welche seine Mutter gepflegt und die zu gleicher Zeit dem Amte als Verwalter und Kastellane in Schloss Lourps vorgestanden hatten, das bis zur Feststellung des gerichtlichen Verkaufs unbewohnt und leer geblieben war.

Er liess das Ehepaar nach Fontenay kommen. Sie waren an die Thätigkeit der Krankenwärter, an die Regelmässigkeit, mit der von Stunde zu Stunde die Arzeneien verabreicht wurden, wie an das starre Schweigen des Klosterslebens gewöhnt. Ohne mit der Aussenwelt im geringsten zu verkehren, verblieben sie stets in geschlossenen Zimmern hinter verschlossenen Fenstern.

Dem Mann wurde die Reinigung der Zimmer und das Einholen übertragen, die Frau mit dem Kochen beauftragt. Er überliess ihnen den ersten Stock des Hauses, doch mussten sie dicke Filzschuhe tragen. Er liess Windfänge vor den gut geölten Thüren anbringen und ihre Fussböden mit dicken Teppichen belegen, so dass er ihre Schritte über seinem Kopfe nicht hörte.

Er verabredete ebenfalls mit ihnen eine gewisse Art zu klingeln und bestimmte die Bedeutung der einzelnen Klingelzeichen nach ihrer Kürze und Länge; bezeichnete auf seinem Schreibtisch den Platz, wo sie jeden Monat das Rechnungsbuch hinlegen mussten – kurz er richtete sich so ein, dass er nicht oft genötigt war, sie zu sehen.

Ebensowenig wollte er, da die alte Dienerin manches Mal am Hause vorüber gehen musste, um aus einem kleinen Schuppen Holz zu holen, dass ihn ihr Schatten störe, welcher dann durch die Scheiben seiner Fenster fiel. Er liess ihr daher ein besonderes Kostüm aus flandrischer Seide mit weisser Mütze und niedergeschlagener breiter schwarzer Kapuze anfertigen, in der Art, wie sie die Frauen des Beguinenklosters in Gent tragen.