———

Großer, erhabener Lenker der Welten! Die Erde wandelt dahin in ihrer Bahn, und der Mond begleitet sie nach jenen unabänderlichen Gesetzen, die Du ihnen vorgeschrieben hast, und wenn sie tausend- und abertausendmal ihren Kreislauf durchmessen, so wandeln sie dennoch fort in junger Kraft und ewiger Schönheit. Daß auch sie altern und einem Ende entgegengehen, ist für ein menschliches Auge nicht ersichtlich. Wie anders ist es mit mir! Des Menschen Dasein auf Erden ist vergänglich und hinfällig; und selbst der Glückliche, der in Fülle der Gesundheit und in Kraft der Jugend seines Lebens sich erfreut, wird durch das Erscheinen des wieder sichtbar gewordenen Mondes daran erinnert, daß abermals ein Zeitabschnitt hinter ihm liegt, daß er näher gerückt ist dem Ziel seiner Tage, daß die Zeit unwiederbringlich für ihn dahingeht und ihr Wert nur in dem liegt, was er Gutes in ihr verrichtet. Darum betrachte ich den Wechsel des Mondes mit ernsten Gedanken und bitte Dich, mein Gott, laß meinem Geiste die Einsicht und meiner Hand die Kraft, die Zeit zu nützen nach Deinem Wohlgefallen. Wenn mir dies gelingt, das fühle ich wohl, so bin ich mehr als Mond und Erde. Du hast ihnen ihren Weg bezeichnet, den sie wandeln müssen, und es liegt nicht in ihrer Macht und in ihrem Willen, davon zu weichen, es ist kein Verdienst für sie, wenn sie fortschreiten nach Deinem Gesetze. Auch mir hast Du die Bahn der Religion und Tugend vorgeschrieben und dennoch mir es überlassen, sie zu wählen oder zu verlassen: ich kann das Verdienst der Tugend mir erwerben. Mond und Erde können Dich nicht preisen, Dir nicht danken und nicht zu Dir beten, ich aber kann mein Herz zu Dir erheben, kann zu Dir mich wenden, wie das Kind zu seinem Vater. Ich weiß es, daß Du der Lenker meines Schicksals bist, daß Du mich beschützest und behütest.

Darum flehe ich denn auch zu Dir, mein Vater! Beschütze und bewahre mich vor Leid und Trübsal, vor Krankheit und Gefahr. Sei in Deiner Gnade mit mir und den Meinigen allen auch im Laufe dieses Monats. Amen!

——————

Gebet beim Anzünden der Sabbat- und Festlichte.

———

בָּרוּך אַתָּה יְיָ אֱלֹהֵינוּ מֶלֶך הָעוֹלָם אֲשֶׁר קִדְּשָׁנוּ בְּמִצְוֺתָיו וְצִוָּנוּ לְהַדְלִיק נֵר שֶׁל שַׁבָּת [[3]]׃

[3] An Festtagen spricht man statt der letzten drei Worte: נר שֶׁל יוֹם טוֹב.

Gelobt seist Du, Ewiger, unser Gott, König der Welt! der Du in Deiner heiligen Lehre den Sabbat (heutigen Feiertag) eingesetzt hast, daß er uns sei eine Zeit des Friedens und der Freude. Ich grüße seinen Eintritt, so wie ich einen lieben Gast begrüße, der mit freundlichem Angesicht meine Schwelle betritt. Ich habe die Räume meiner Häuslichkeit geschmückt und die Lichter angezündet, auf daß es nicht düster und trübe um mich her sei am heiligen Sabbat (Feiertag). Möge es auch Dein Wille sein, mein Gott, alle trüben und düstern Gedanken fernzuhalten von meinem Gemüte, laß mich Freudigkeit und Freundlichkeit um mich her wahrnehmen bei allen die ich liebe, und für deren Ruhe und Wohlsein und Frieden ich voll Inbrunst zu Dir bete. Amen!