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Gebet einer Witwe.
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Allgerechter! Du hast in Deiner Weisheit es beschlossen, daß ich nicht bis an das Ende meiner Tage das Glück genießen soll, an der Hand meines treuen Gatten durchs Leben zu gehen. Du hast ihn von meiner Seite gerufen, und ich muß ohne seine Stütze, ohne seinen Beistand, ohne seinen Rat und ohne seine liebevolle Fürsorge meine Tage verleben.
Allgemach erblassen die grellen Farben, in denen das Bild meines Unglücks vor mein Auge trat, als es in den ersten bitteren Tränen schwamm, die ich ob des herben Verlustes vergoß, aber nimmer werden diese Farben ganz verbleichen: langsam geht der Schmerz in stille Wehmut über, aber nie wird seine Spur verschwinden, weil ich es nie vergessen kann, wie der treue Gefährte meiner schönsten Tage in Liebe und Zärtlichkeit nur für mich gedacht und gesorgt hat.
Wenn ich daher nun, gerührt von seinem Andenken, zu Dir bete, mein Gott, so flehe ich Dich in Demut an, daß Du ihm die Freuden der ewigen Seligkeit in vollem Maße gewähren mögest.
Mir aber, mein Gott, wollest Du auch gnädig sein, daß es mir nie an der Kraft gebreche, nun ohne seinen Rat und seinen Beistand für das Wohl meiner Kinder und für das Bestehen meiner Häuslichkeit zu sorgen. Wo ich des Schutzes bedarf, da gewähre Du ihn mir, wo ich des Rates bedarf, da erleuchte Du mich mit Einsicht. Du bist ein Helfer den Witwen, ein Vater den Waisen, Du verlässest nicht, die unter das schützende Obdach Deiner Hut sich begeben, darum will ich mich allezeit an Dich wenden in der Gewißheit Deiner Gnade, mein Helfer, mein Beschützer! Amen!
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Gebet einer Witwe
(die in dürftigen Verhältnissen lebt.)