Gebet.
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Herr und Vater! In Deinen heiligen Geboten hast Du die Feier des Sabbates als eine Pflicht von hohem Range für uns bestimmt. „Gedenke des Sabbattages, ihn zu heiligen. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke verrichten.“ So lautet das Wort, daß Du vom Sinai gesprochen.
Darum suche ich heute die geweihte Stätte der gemeinsamen Andacht auf, weil ich den Sabbat heiligen will in der Mitte der Deinen.
Hier, in meinem lieben Gotteshause, vermag das Bewußtsein lebhafter in mir zu werden, als im bewegten Treiben der Welt, daß Du, Herr, den Sabbat uns gegeben, damit er eine Wohltat für uns sei. Nur die Einkehr in unser Inneres führt unseren Geist zurück zur wahren Erkenntnis unseres Verhältnisses zu Dir, nur die andachtsvolle Erhebung im Gebete stärkt unser Vertrauen zu Dir und vermindert manches Leid des alltäglichen Lebens, nur der ausgesprochene Dank für die Gaben Deiner Liebe stellt Dich uns lebhaft als unsern Hort und unsere Zuflucht dar, nur die demutsvolle Betrachtung Deiner Größe und Erhabenheit erfüllt uns mit der Empfindung des Glückes, Bekenner Deiner Lehre, treue Anhänger des wahren Gottesglauben zu sein. So wird der Besuch des Gotteshauses, das inbrünstige Gebet, nicht ein Dienst, den wir Dir weihen, sondern eine Wohltat, die wir genießen, eine Freude, die wir Dir verdanken.
O, Herr und Vater, laß mich immer die Freude und die Befriedigung finden, die die Feier des Sabbates gewährt. Und wie ich ihn betrachte als den Tag des Herrn, so will ich auch nie vergessen, daß mit demselben Ausspruche, der den Sabbat einsetzt, Du auch die Arbeit der sechs Tage uns befohlen hast.
Nicht einzig und allein um des Leibes Nahrung sollen wir arbeiten, weil es ja doch töricht ist, zu glauben, daß wir es eben können, denn nicht von unserer Tätigkeit und von unserer Weisheit hängt der Segen ab, der aus dem Werke unserer Hände emporwächst, sondern von Deiner Gnade, und alles, was wir arbeiten und genießen, bleibt, trotz unserer Mühe, ein Geschenk von Dir.
Aber um Dein Gebot zu erfüllen, sollen wir tätig sein, auf daß wir selber weiser und erfahrener und unsern Nebenmenschen nützlich werden. Wahrlich, kein Mensch, dem Du die Kraft zu nützlicher Tätigkeit gegeben hast, ist der Pflicht ledig, sie auch anzuwenden, selbst wenn der Erdengüter Fülle ihn nicht zur Arbeit nötigt.
So soll der Sabbattag mir eine doppelte Mahnung sein: daß ich nie und nimmer vernachlässige, diesen Tag dem Herrn zu weihen durch Gebet und demutsvolles Hintreten vor meinen himmlischen Vater, und daß ich nie und nimmer versäume, das Bewußtsein der Pflicht in mir zu erwecken, daß der Mensch bestimmt ist zu nützlicher Tätigkeit auf Erden. Schenke, mein Gott, hierzu mir Deine Gnade. Amen!
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