Läuffer. Pintinello … nicht wahr? ich hab' ihn in Leipzig auf dem Theater tanzen sehen; er tanzt nicht sonderlich …

Graf. Er tanzt—on ne peut pas mieux.—Wie ich Ihnen sage, gnädige Frau, in Petersburg hab' ich einen Beluzzi gesehn, der ihm vorzuziehen war: aber dieser hat eine Leichtigkeit in seinen Füssen, so etwas freyes, göttlichnachläßiges in seiner Stellung, in seinen Armen, in seinen Wendungen—

Läuffer. Auf dem Kochischen Theater ward er ausgepfiffen, als er sich das letztemal sehen ließ.

Majorin.
Merk Er sich, mein Freund! daß Domestiken in
Gesellschaften von Standespersonen nicht mitreden. Geh
Er auf Sein Zimmer. Wer hat Ihn gefragt? (Läuffer tritt
einige Schritte zurück)

Graf. Vermuthlich der Hofmeister, den Sie dem jungen Herrn bestimmt? …

Majorin. Er kommt ganz frisch von der hohen Schule.—Geh' Er nur! Er hört ja, daß man von Ihm spricht; desto weniger schickt es sich, stehen zu bleiben. (Läuffer geht mit einem steifen Kompliment ab) Es ist was unerträgliches, daß man für sein Geld keinen rechtschaffenen Menschen mehr antreffen kann. Mein Mann hat wohl dreymahl an einen dasigen Professor geschrieben und dies soll doch noch der galanteste Mensch auf der ganzen Akademie gewesen seyn. Sie sehens auch wohl an seinem links bordirten Kleide. Stellen Sie sich vor, von Leipzig bis Insterburg zweihundert Dukaten Reisegeld und jährliches Gehalt fünfhundert Dukaten, ist das nicht erschröcklich?

Graf.
Ich glaube, sein Vater ist der Prediger hier aus dem Ort …

Majorin. Ich weiß nicht—es kann seyn—ich habe nicht darnach gefragt, ja doch, ich glaub' es fast: er heißt ja auch Läuffer; nun denn ist er freylich noch artig genug. Denn das ist ein rechter Bär, wenigstens hat er mich ein für allemal aus der Kirche gebrüllt.

Graf.
Ists ein Katholik?

Majorin.
Nein doch, Sie wissen ja, daß in Insterburg keine
katholische Kirche ist: er ist Lutherisch, oder
Protestantisch wollt' ich sagen; er ist protestantisch.