Geh. Rath. Stell Dir vor, Major; der Seiffenblase hat auf die Warnung, die ich der Frau Dutzend that, und die sie ihm wieder erzehlt hat und zwar, wie ichs verlangt, unter meinem Namen, geantwortet: er werde sich schon an mir zu rächen wissen. Er hat alles das so gut von sich abzulehnen gewußt, und ist gleich Tags drauf mit dem Minister Deichsel hingefahren kommen, daß die arme Frau das Herz nicht gehabt, sich seine Besuche zu verbitten. Gestern Nacht hat er zwey Wagen in diese Straße bestellt und einen am Brandenburger Thor, das wegen des Feuerwerks offen blieb, das erfährt die Madam gestern Vormittag schon. Den Nachmittag will er für Henkers Gewalt die Mamsell überreden, mit ihm zum Minister auf die Assemblee zu fahren, aber Madam Dutzend traute dem Frieden nicht, und hat's ihm rund abgeschlagen. Zweymal ist er vor die Thür gefahren, aber hat wieder umkehren müssen; da seine Karte also verzettelt war, wollt' ers heut probiren. Madam Dutzend hat ihm nicht allein das Haus verbothen, sondern zugleich angedeutet: sie sehe sich genöthigt, sich vom Gouverneur Wache vor ihrem Hause auszubitten. Da hat er Flammen gespyen, hat mit dem Minister gedroht— Um die Madam völlig zu beruhigen, hab' ich ihr angetragen: die Mamsell in unser Haus zu nehmen. Wir wollen sie auf ein halb Jahr nach Insterburg mitnehmen, bis Seiffenblase sie vergessen hat, oder so lang als es ihr selber nur da gefallen kann—
Major.
Ich hab schon anspannen lassen. Wenn wir nach
Heidelbrunn fahren, Mamsell, so laß ich Sie nicht
los. Sie müssen mit, oder meine Tochter bleibt mit
Ihnen in Insterburg.
Geh. Rath.
Das wär wohl am besten. Ohnehin taugt das Land für
Gustchen nicht und Mamsel Rehaar laß ich nicht von mir.
Major.
Gut, daß Deine Frau Dich nicht hört—oder hast Du
Absichten auf Deinen Sohn?
Geh. Rath.
Mach das gute Kind nicht roth. Sie werden ihn in
Leipzig oft genug müssen gesehen haben, den bösen
Buben. Gustchen, Du wirst zur Gesellschaft mit roth?
Er verdient's nicht.
Gustchen. Da mein Vater mir vergeben hat, sollte Ihr Sohn ein minder gütiger Herz bey Ihnen finden?
Geh. Rath.
Er ist auch noch in keinen Teich gesprungen.
Major. Wenn wir nur das blinde Weib mit dem Kinde ausfündig gemacht hätten, von dem mir der Schulmeister schreibt; eh kann ich nicht ruhig werden—Kommt! ich muß noch heut auf mein Gut.
Geh. Rath. Daraus wird nichts. Du mußt die Nacht in Insterburg schlafen.
Achte Scene.