Läuffer. (nähert sich ihr) Du hast eine Seele dem Himmel gestolen. (faßt sie an die Hand) Was führt Dich hieher, Lise?

Lise. Ich komme, Herr Mandel—Ich komme, weil Sie gesagt haben, es würd' morgen keine Kinderlehr—weil Sie— so komm' ich—gesagt haben—ich komme, zu fragen, ob morgen Kinderlehre seyn wird.

Läuffer. Ach!—Seht diese Wangen, ihr Engel! Wie sie in unschuldigem Feuer brennen und denn verdammt mich, wenn ihr könnt—Lise, warum zittert Deine Hand? Warum sind Dir die Lippen so bleich und die Wangen so roth? Was willst Du?

Lise.
Ob morgen Kinderlehr seyn wird?

Läuffer.
Setz Dich zu mir nieder—Leg Dein Gesangbuch weg—
Wer steckt Dir das Haar auf, wenn Du nach der Kirche
gehst? (setzt sie auf einen Stuhl neben seinem)

Lise. (will aufstehn) Verzeyh' Er mir; die Haube wird wohl nicht recht gesteckt seyn; es mache einen so erschrecklichen Wind, als ich zur Kirche kam.

Läuffer. (nimmt ihre beyden Hände in seine Hand)
O Du bist—Wie alt bist Du, Lise?—Hast Du niemals—
Was wollt' ich doch fragen—Hast Du nie Freyer gehabt?

Lise. (Munter) O ja einen, noch die vorige Woche; und des Schaafwirths Grethe war so neidisch auf mich und hat immer gesagt: ich weiß nicht was er sich um das einfältige Mädchen so viel Mühe macht, und denn hab' ich auch noch einen Officier gehabt; es ist noch kein Vierteljahr.

Läuffer.
Einen Officier?

Lise. Ja doch, und einer von den recht Vornehmen. Ich sag' ihnen, er hat drey Tressen auf dem Arm gehabt: aber ich war noch zu jung und mein Vater wollt mich ihm nicht geben, wegen des soldatischen Wesens und Ziehens.