"Nein, nein, nein", sagte jener, "ich sehe schon, wer Sie sind, und dem muß gewehrt werden."
"Ich bin Mannheim", gab ich zurück.
"Dem muß gesteuert werden", versetzte er.
"Meine Geschichte müssen Sie aushören", sagte ich. "Es war ein Mensch in einer wüsten Insel und hatte in zwei Tagen kein Wildpret gefangen. Bei dem heftigsten Anfall des Hungers stieß ein Brett mit einem Missionär ans Land, der Schiffbruch gelitten hatte, der Missionär freute sich, eine Seele mehr zu gewinnen, ging auf ihn zu, und fragte ihn über die ersten Grundsätze seines Glaubens. Er wollte essen, sagte der andre. Dieser fing an, ihm den katholischen Lehrbegriff vorzutragen, der Proselyt packte ihn und fraß ihn auf. So könnte es uns mutandis mutatis mit unsern Bauren gehen, wenigstens kann der Trost der Religion, sobald man den Leuten nicht Aussichten weißt, durch ihr inniges Vertrauen auf Gott die ersten und notwendigsten Bedürfnisse ihres Lebens zu befriedigen, nicht anders als höchst unkräftig sein. Wir finden auch, daß Christus und seine Apostel nicht so gepredigt haben. Christus fand seine Jünger, die die ganze Nacht nichts gefangen hatten, und ließ sie einen reichen Zug tun, der Apostel sagt ausdrücklich, die Gottseligkeit habe die Verheißung dieses—und des zukünftigen Lebens."
"Schämen Sie sich nicht, Ihre Inorthodoxie noch durch die Bibel zu beschönigen."
"Ich bin weder inorthodox, noch brauche ich etwas an mir zu beschönigen. Wo will sich die Religion äußern, wo soll sie ihre Kraft und Wirksamkeit beweisen, wenn wir sie als einen abgezogenen Spiritus in Flaschen verwahren und nicht sie durch unser ganzes Leben und Gewerbe dringen lassen. Den Bauren zu weisen, daß Religion geehrt und reich mache, heißt ebensoviel als Kindern Brot und Spielwerk hinlegen, wenn sie artig gewesen sind."
"Wollen Sie die erste Quelle aller Moral verderben", sagte der wirklich gut meinende Spezial.
"Die Stimmung des Herzens", erwiderte ich, "die alle dieser Vorteile entbehrt, freiwillig entbehrt, sobald ein Recht dadurch gekränkt oder die Gottheit dadurch beleidigt wird, kann auf keine andere Weise hervorgebracht, oder wenn sie da ist, geprüfet werden, als wenn ich bei meinen Bauren gehörige Begriffe von dem, was zeitlicher Wohlstand ist, gehörige Kraft und Anwendung dieser Kraft, ihn zu erreichen, voraussetze. Der Bettler glaubt den Himmel am allerersten und geschwindesten, aber es ist denn auch nur ein Himmel für Bettler.
Diese Stimmung in ihnen hervorzubringen, ist meine einzige Absicht. Ich habe zu dem Ende ein geheimes Tribunal bei mir errichtet. Jeder, der etwas über seinen Nachbar zu klagen hat, kommt zu mir, und kann nicht allein des unverbrüchlichsten Stillschweigens bei mir versichert sein, sondern auch daß ich ihm viel geschwinder zu seinem Recht verhelfen werde, als der Advokat vor den Gerichten. Ich gehe zu dem Verklagten, ich gewinne ihm sein Vertrauen ab, ich höre, ob er nicht vielleicht ebensoviel Beschwerden gegen seinen Ankläger hat. Habe ich die wahre Gestalt der Sache erfahren, und alle meine besondern Versuche sind vergebens, den Schuldigen zu seiner Pflicht zurückzubringen, so bring ich die Sache unter irgend einer Einkleidung auf die Kanzel, und weise aus den allgemeinen Wahrheiten unsrer Religion das Verdammliche oder vielmehr das Schädliche dieser und jener Handlung in ihren Folgen. Da dünkt mich's Zeit, allgemeine Wahrheiten vorzutragen, und mit Erfolg. Denn entspricht hernach die Erfahrung der Menschen dem, was wir ihnen voraussagten, so gräbt sich die Religion weit tiefer in ihr Herz, als irgend etwas, so sie auswendig gelernt haben. Ich habe die frappantesten Beweise davon gehabt, und diese haben mich in dieser Methode so sehr bestätigt, daß ich sie vermöge meines Gewissens nimmer abändern werde, was auch die Obern mir darüber jemals ankündigen mögen."
"Was können Sie für Beweise davon haben?"