Der Höfling, dessen Augen ohnehin immer zusammengezogen waren, tat, als ob er den Pfarrer Mannheim nicht sähe.
"Es ist mir wenigstens schmeichelhaft, gnädiger Herr", sagte der Pfarrer Mannheim, "daß unser Landesfürst mich durch ein eignes gnädiges Handschreiben seines Beifalls versichert hat."
Es war, als ob er eine Rakete unter die Leute geworfen; alle Augen waren auf ihn gerichtet.
Unterdessen kamen die Stühle für das Fräulein und den Herrn Vetter an.
"Und ich hoffe, daß nächstens", fuhr er fort, "auf meinen untertänigsten Vorschlag, in Ansehung der Austeilung der neuen Kopfsteuer, wie mir Se. Exzellenz der Präsident von der Kammer versichert haben, eine eigene Kommission von seiten der Kammer und eine andere von seiten unsers Oberamts niedergesetzt werden soll, um die eingeschlichenen Mißbräuche zu heben, die den Landmann so sehr beeinträchtigen, als die landesfürstliche Kasse."
"Das wäre in der Tat sehr nötig", sagte der Herr vom Hause.
Der Höfling maß ihn mit seinen Augen, welches der Pfarrer Mannheim erwiderte.
Auf ihrer Seite tat Albertine alles Mögliche, um das Fräulein zu besänftigen, die, wegen des Vorfalls mit den Stühlen und wegen ihrer Entfernung von der neuangekommenen Hofdame, sich noch gar nicht erholen konnte. Sie sprach mit ihr von einigen neuen Kopfzeugen, die sie aus ihrer Vaterstadt mitgebracht, und von denen sie ihr das Muster schicken wollte. Das Fräulein nickte mit dem Kopf und lächelte, daß man geglaubt hätte, sie weinte. "Das, was die gnädige Frau aufhaben", fuhr Albertine sehr laut fort, "ist eben keins von den neuesten." Die Hofdame schlug die Augen fest vor sich nieder. "Indessen", sagte Albertine weiter, um sie zu trösten, "ist es nach meinem Auge von unendlich mehrerem Geschmack, als die neueste Art mit den fatalen Fledermäusen und dem Gesimse auf dem Kopf." Der Höfling wandte sein Auge bei diesen Worten, die mit einiger Laune ausgesprochen wurden, mitten in dem tiefsinnigsten Gespräch mit dem Herrn vom Hause, auf die Frau Pastorin.
Der Pfarrer Mannheim, der schon wieder als Insel dasaß, und wohl merkte, daß das tiefsinnige Gespräch der beiden Herren sich auf nichts herumdrehte, als daß beide etwas leise gegeneinander die Lippen rührten, ohne daß einer von den Worten des andern das geringste verstund—fuhr mit einer neuen Rakete zwischen ihnen drein.
"Ich muß mich sehr wundern", sagte er und richtete sich gerade an den Herrn vom Hofe, der ihm schon durch das allgemeine Gerücht bekannt war, "daß die meisten Herren von Adel ihre Kapitalien hiesigen Kaufleuten anvertrauen, wo sie doch so unsicher stehen, und sich nicht nach Holland wenden, das wir so nahe haben, und wo ich durch sichere Briefe weiß, daß die Konkurrenz bei gegenwärtigem Kriege viel größer ist."