Wesener (liest laut). Du höchster Gegenstand von meinen reinen
Trieben. Ich bet dich an, ich will dich ewig lieben. Weil die
Versicherung von meiner Lieb und Treu, Du allerschönstes Licht, mit
jedem Morgen neu. Du allerschönstes Licht, ha, ha, ha.
Marie. Wart Er, ich will Ihm noch was weisen, er hat mir auch ein
Herzchen geschenkt mit kleinen Steinen besetzt in einem Ring.
(Wieder zum Schrank. Der Vater besieht es gleichgültig.)
Wesener (liest noch einmal). Du höchster Gegenstand von meinen reinen Trieben. (Steckt die Verse in die Tasche.) Er denkt doch honett, seh ich. Hör aber, Mariel, was ich dir sage, du mußt kein Präsent mehr von ihm annehmen. Das gefällt mir nicht, daß er dir so viele Präsente macht.
Marie. Das ist sein gutes Herz, Papa.
Wesener. Und die Zitternadel gib mir her, die will ich ihm zurückgeben. Laß mich nur machen, ich weiß schon, was zu deinem Glück dient, ich hab länger in der Welt gelebt, als du, mein' Tochter, und du kannst nur immer allesfort mit ihm in die Komödie gehn, nur nimm jedesmal die Madam Weyher mit, und laß dir nur immer nichts davon merken, als ob ich davon wüßte, sondern sag nur, daß er's recht geheimhält, und daß ich sehr böse werden würde, wenn ich's erführe. Nur keine Präsente von ihm angenommen, Mädel, um Gottes willen!
Marie. Ich weiß wohl, daß der Papa mir nicht übel raten wird. (Küßt ihm die Hand.) Er soll sehn, daß ich Seinem Rat in allen Stücken folgen werde. Und ich werde Ihm alles wiedererzählen, darauf kann Er sich verlassen.
Wesener. Na, so denn. (Küßt sie.) Kannst noch einmal gnädige Frau werden, närrisches Kind. Man kann nicht wissen, was einem manchmal für ein Glück aufgehoben ist.
Marie. Aber, Papa, (etwas leise) was wird der arme Stolzius sagen?
Wesener. Du mußt darum den Stolzius nicht so gleich abschrecken, hör einmal.—Nu, ich will dir schon sagen, wie du den Brief an ihn einzurichten hast. Unterdessen schlaf Sie gesund, Meerkatze.