Rammler. Du meinst, das sei das Mittel, sich bei ihm einzuschmeicheln, wenn man ihm Gutes von seiner Braut sagt. Du irrst dich, ich kenn ihn besser, grad das Gegenteil. Er stellt sich, als ob er dir's glaubte, und schreibt es sich hinter die Ohren. Aber wenn man ihm seine Frau verdächtig macht, so glaubt er, daß wir's aufrichtig mit ihm meinen-Haudy. Mit deiner erhabenen Politik, Rotnase! Willst du dem Kerl den Kopf toll machen, meinst du, er hat nicht Grillen genug drin. Und wenn er sie sitzen läßt, oder sich aufhängt—so hast du's darnach. Nicht wahr, Herr Pfarrer, eines Menschen Leben ist doch kein Pfifferling?
Eisenhardt. Ich menge mich in Ihren Kriegsrat nicht.
Haudy. Sie müssen mir aber doch recht geben?
Pirzel. Meine werten Brüder und Kameraden, tut niemand Unrecht. Eines Menschen Leben ist ein Gut, das er sich nicht selber gegeben hat. Nun aber hat niemand ein Recht auf ein Gut, das ihm von einem andern ist gegeben worden. Unser Leben ist ein solches Gut-Haudy (faßt ihn an die Hand). Ja, Pirzel, du bist der bravste Mann, den ich kenne, (setzt sich zwischen ihn und den Pfarrer) aber der Jesuit (den Pfarr umarmend) der gern selber möchte Hahn im Korbe sein.
Rammler (setzt sich auf die andere Seite zum Pfarrer, und zischelt
ihm in die Ohren). Herr Pfarrer, Sie sollen nur sehen, was ich dem
Haudy für einen Streich spielen werde. (Stolzius tritt herein.
Haudy springt auf.)
Haudy. Ach, mein Bester! kommen Sie, ich habe ein gut Glas Punsch für uns bestellen lassen, der Wind hat uns vorhin so durchgeweht.
(Führt ihn an einen Tisch.)
Stolzius (den Hut abziehend zu den übrigen). Meine Herren, Sie werden mir vergeben, daß ich so dreist bin, auf Ihr Kaffeehaus zu kommen, es ist auf Befehl des Herrn Major geschehen. (Alle ziehen die Hüte ab, sehr höflich, und schneiden Komplimenten. Rammler steht auf, und geht näher.)
Rammler. O gehorsamer Diener, es ist uns eine besondere Ehre.
Stolzius (rückt noch einmal den Hut, etwas kaltsinnig, und setzt sich zu Haudy). Es geht ein so scharfer Wind draußen, ich meine, wir werden Schnee bekommen.