Stolzius (faßt ihr beide Hände). Liebe Mutter, schimpft nicht auf sie, sie ist unschuldig, der Officier hat ihr den Kopf verrückt. Seht einmal, wie sie mir sonst geschrieben hat. Ich muß den Verstand verlieren darüber. Solch ein gutes Herz!
Mutter (steht auf und stampft mit dem Fuß). Solch ein Luder—Gleich zu Bett mit dir, ich befehl es dir. Was soll daraus werden, was soll da herauskommen. Ich will dir weisen, junger Herr, daß ich deine Mutter bin.
Stolzius (an seine Brust schlagend). Mariel—nein, sie ist es nicht mehr, sie ist nicht dieselbige mehr—(Springt auf.) Laßt mich-Mutter (weint). Wohin, du Gottsvergessener?
Stolzius. Ich will dem Teufel, der sie verkehrt hat (Fällt kraftlos auf die Bank, beide Hände in die Höhe.) O du sollst mir's bezahlen, du sollst mir's bezahlen. (Kalt.) Ein Tag ist wie der andere, was nicht heut kommt, kommt morgen, und was langsam kommt, kommt gut. Wie heißt's in dem Liede, Mutter, wenn ein Vögelein von einem Berge alle Jahr ein Körnlein wegtrüge, endlich würde es ihm doch gelingen.
Mutter. Ich glaube, du phantasierst schon, (greift ihm an den Puls) leg dich zu Bett, Karl, ich bitte dich um Gottes willen. Ich will dich warm zudecken, was wird da herauskommen, du großer Gott, das ist ein hitziges Fieber—um solch eine Metze-Stolzius. Endlich—endlich—alle Tage ein Sandkorn, ein Jahr hat zehn zwanzig dreißig hundert. (Die Mutter will ihn fortleiten.) Laßt mich, Mutter, ich bin gesund.
Mutter. Komm nur, komm, (ihn mit Gewalt fortschleppend) Narre!—Ich werd dich nicht loslassen, das glaub mir nur.
(Ab.)
Dritte Szene
In Lille. Jungfer Zipfersaat. Eine Magd aus Weseners Hause.
Jungfer Zipfersaat. Sie ist zu Hause, aber sie läßt sich nicht sprechen? Denk doch, ist sie so vornehm geworden?