Gräfin. Ich will nichts mehr wissen. Sobald du Ursache zu haben glaubst, mir was zu verhehlen—aber bedenk auch, daß du hernach die Folgen deiner Handlungen nur dir selber zuzuschreiben hast. Fräulein Anklam hat hier Verwandte, und ich weiß, daß Jungfer Wesenern nicht in dem besten Ruf steht, ich glaube, nicht aus ihrer Schuld, das arme Kind soll hintergangen worden sein-Junge Graf (kniend). Eben das, gnädige Mutter! eben ihr Unglück—wenn Sie die Umstände wüßten, ja ich muß Ihnen alles sagen, ich fühle, daß ich einen Anteil an dem Schicksal des Mädchens nehme—und doch—wie leicht ist sie zu hintergehen gewesen, ein so leichtes, offenes, unschuldiges Herz—es quält mich, Mama! daß sie nicht in bessere Hände gefallen ist.

Gräfin. Mein Sohn, überlaß das Mitleiden mir. Glaube mir, (umarmt ihn) glaube mir, ich habe kein härteres Herz als du. Aber mir kann das Mitleiden nicht so gefährlich werden. Höre meinen Rat, folge mir. Um deiner Ruhe willen, geh nicht mehr hin, reis aus der Stadt, reis zu Fräulein Anklam—und sei versichert, daß es Jungfer Wesenern hier nicht übel werden soll. Du hast ihr in mir ihre zärtlichste Freundin zurückgelassen—versprichst du mir das?

Junge Graf (sieht sie lange zärtlich an). Gut, Mama, ich verspreche Ihnen alles—Nur noch ein Wort, eh' ich reise. Es ist ein unglückliches Mädchen, das ist gewiß.

Gräfin. Beruhige dich nur. (Ihm auf die Backen klopfend.) Ich glaube dir's mehr, als du mir es sagen kannst.

Junge Graf (steht auf und küßt ihr die Hand). Ich kenne Sie—

(Beide geben ab.)

Neunte Szene

Frau Wesenern. Marie.

Marie. Laß Sie nur sein, Mama! ich will ihn recht quälen.

Frau Wesener. Ach geh doch, was? er hat sich vergessen, er ist in drei Tagen nicht hier gewesen, und die ganze Welt sagt, er hab' sich verliebt in kleine Madam Düval, da in der Brüssler Straße.