Die Damen (haschen). Liebesgötterchen! Liebesgötterchen! 25

Jakobi (steigt aus der Wolke in einer schmachtenden Stellung). Ach mit welcher Grazie! —

Wieland. Von Grazie hab ich auch noch ein Wort zu sagen. 30

Spielt ein anderes Stück. Die Dames minaudiren entsetzlich. Die Herren setzen sich einer nach dem andern in des Jakobi Wolke und schaukeln damit. Viele setzen die Papillons unters Vergrösserungsglaß und einige legen den Finger unter die Nase, die Unsterblichkeit der Seele daraus zu beweisen. Eine 35 Menge Offiziers machen sich Kokarden von Papillonsflügeln, andere kratzen mit dem Degen an Wielands Leyer, sobald er zu spielen aufhört. Endlich gähnen sie alle.

Eine Dame, die, um nicht gesehen zu werden, hinter Wielands Rücken gezeichnet hatte, unaufmerksam auf alles was vorgieng, giebt ihm das Bild zum Sehen. Er zuckt die Schultern, lächelt bis an die Ohren hinauf, reicht aber doch das Bild großmüthig herum. Jedermann macht ihm Complimente darüber, er 5 bedankt sich schönstens, steckt das Bild wie halb zerstreut in die Tasche und fängt ein ander Stück zu spielen an. Die Dame erröthet. Er spielt. Die Palatine der Damen kommen in Unordnung, weil die Herrchen zu ungezogen werden. Er winkt ihnen lächelnd zu und Jakobi hüpft wie unsinnig von einer zur andern 10 umher. Alle klatschen wohllüstig gähnend:

Bravo, bravo, bravo! le moyen d'entendre quelque chose de plus ravissant!

Goethe (stürzt herein in den Tempel, glühend, einen Knochen in der Hand). Ihr Deutsche? — Hier ist eine 15 Reliquie eurer Vorfahren. Zu Boden mit euch und angebethet, was ihr nicht werden könnt.

Wieland macht ein höhnisches Gesicht und spielt fort. Jakobi bleibt mit offenem Mund und niederhangenden Händen stehen. 20

Goethe (auf Wieland zu). Ha daß du Hecktor wärst und ich dich so um die Mauren von Troja schleppen könnte! (Zieht ihn an den Haaren herum.)

Die Frauenzimmer. Um Gotteswilln, Herr Goethe, was machen Sie? 25