"Gott wird ihn finden, den Schuhmachersgesellen—O mein Kind, mein Kind!" Hier umarmte er sie heulend, und drückte sie, unter erschrecklichem Schluchsen, zu wiederholten Malen an sein Herz. "Wenn ich mich hier in deine Stelle setzte, du bist jung; du kannst noch lange leben—"
"Ich überlebte es nicht—"
"Ich hatte dir mein neues Haus zugedacht; es ist unter Dach; du sollst mir den Nagler Rein heiraten; es ist ein junges frisches Blut, und hat dich jederzeit so lieb gehabt. Alle Abend bin ich mit meinem alten Weibe hinspaziert, und haben nach dem Bau gesehen und von dir geredt, wie wir im Winter so vergnügt miteinander leben, und fleißig zueinander zu Licht gehen wollten. 'Ich habe noch fünf Pfund von dem schönen weißen Flachs; die soll sie mir abspinnen helfen', sagte sie. 'Sie wird doch itzt in der Stadt nicht so galant geworden sein, daß sie das Spinnrad nicht mehr in die Hand nehmen darf'—ach, du gottloses Kind! es war, als ob sie das im prophetischen Geist gesagt hätte."
Sie, auf seine Hand weinend: "Könnt Ihr mir denn nicht verzeihen, Vater?"
"Er, der Nagler Rein, stund denn so dabei und lächelte, und die Tränen quollen ihm in die Augen. Sag ich doch, es war, als ob's uns allen geahndt hätte."
"Grüßt den guten Rein, sagt, ich werde noch in der Ewigkeit für ihn beten, daß er eine bessere Frau bekomme, als ich ihm gewesen wäre. Sagt ihm, es soll ihm nicht leid sein um mich."
"Wem sollt' es nicht leid sein um dich." Hier heulte er wieder an ihrem Halse. "Darf deine Mutter auch kommen, dich zu sehen?"
"Meine Mutter—wo ist sie—wo ist meine gute Mutter? Geschwind laßt sie hereinkommen! Ich habe nicht lange mehr hier zu bleiben."
Walter (so hieß der Alte) schlug in die Hände. "Ist denn keine Gnade, kein Pardon nicht möglich? Ich will mich dem Gerichtsherrn zu Füßen werfen—"
"Meine Mutter, Walter!—Ich schwör Euch, es stirbt kein Mensch so gern als ich"—sie flog an die Tür: "Meine Mutter! Laßt meine Mutter hereinkommen!"