»Ja, freilich hat er Anlaß gegeben,« versetzte Caspar unbefangen, »es ist ja wieder ein Kind von ihm da.«

Quandt erschrak. Da haben wir’s, dachte er. Und so hart es ihn auch ankam, er beschloß, Caspar gleich auf den Zahn zu fühlen. Er wechselte mit seiner Frau einen Blick des Einverständnisses und bat sie, sie solle nach den Kindern schauen. Als nun die Frau das Zimmer verlassen hatte, wandte sich der Lehrer, blaß und aufgeregt durch die Schwierigkeit seines Vorhabens, an Caspar und fragte ihn unvermittelt, ob er schon einmal mit einem Frauenzimmer etwas gehabt habe, es lägen verschiedene Mutmaßungen vor, und Caspar möge offen wie mit einem Vater zu ihm reden.

Diese Worte stimmten Caspar dankbar; er sah in ihnen ein Zeichen von Teilnahme, obgleich er ihren Sinn und Zweck nicht verstand, sondern bloß das trübe Element, aus dem sie stiegen, furchtsam ahnte.

Er überlegte. »Mit einem Frauenzimmer? Ja wie?« murmelte er.

»Meine Frage ist doch deutlich, Hauser; stellen Sie sich nicht so kindisch.«

»Ja, ich versteh’ schon,« sagte Caspar eilig, um die gute Laune des Lehrers nicht zu verscherzen; »und da ist auch was gewesen.«

»Na, nur heraus damit! Nur Mut!«

Und harmlos begann Caspar zu erzählen: »So vor ungefähr sechs Wochen hab’ ich meinen Sonntagsanzug zur Putzerin in die Uzensgasse getragen. Sie wissen doch, Herr Lehrer, es ist das kleine Haus neben dem Bäcker. Wie ich hingekommen bin, war der Laden versperrt, da bin ich hinauf in die Wohnung gegangen und hab’ an die Tür geklopft. Da hat mir ein junges Mädle aufgemacht und war im Nachtkleid, weiter hat sie nichts am Leib gehabt, die ganze Brust hat man sehen können, es war scheußlich. Sie hat mir die Sachen abgenommen und hat gesagt, sie wollt’ es der Putzerin ausrichten. Ich war immer noch vor der Tür. Komm nur herein, sagt sie. Da bin ich hinein und frage, was sie will. Da hat sie angefangen vor mir herumzutänzeln, hat gelacht und sonderliches Zeug geredet, hat mich gefragt, ob ich ihr Bräutigam sein will, und zuletzt –« er zögerte lächelnd.

»Zuletzt? Was zuletzt?« fragte Quandt, indem er den Kopf weit vorbeugte.

»Zuletzt hat sie verlangt, ich soll ihr einen Kuß geben.«