»Das lassen Sie nur die Sache der Fürsten sein,« versetzte Hickel, dessen Gesicht plötzlich böse und sorgenvoll wurde. »Potz Kreuz, lieber Quandt, Sie ereifern sich ja da, als ob’s Ihnen an den Kragen ginge. Ich möchte nur gar zu gern wissen, ob Sie auch so viel Mut zeigen würden, wenn die Exzellenz dahier im Zimmer wäre.«

Quandt schaute sich mißtrauisch um. Dann zuckte er die Achseln und erwiderte: »Sie belieben zu scherzen, Herr Polizeileutnant. Schlimm genug, daß man mit seiner wahren Meinung hinterm Berg halten muß. Wir haben alle vergessen, wie ein Mann den Kopf tragen soll. Kuschen, das haben wir gelernt, das verstehen wir von Grund aus. Aber ich will nicht mehr kuschen.«

»Pst!« unterbrach ihn Hickel unwirsch; »lassen wir das; es schmeckt nach Demagogentum. Sagen Sie mir lieber: Hat der Hauser Kenntnis von der Broschüre?«

»Nicht daß ich wüßte,« entgegnete Quandt. »Aber es wird nicht zu vermeiden sein, daß er davon erfährt, gibt es doch Unverständige genug, die sich ein Vergnügen daraus machen werden. Haben Sie, Herr Polizeileutnant, nicht auch von der Schrift eines gewissen Garnier gehört?«

Bei der Nennung dieses Namens zuckte Hickel zusammen und sah den Lehrer finster an. Es dauerte eine ganze Weile, bevor er sich zu einer Antwort entschloß. »Garnier? Ja, das ist ein landesflüchtiges Subjekt. In seinem Pamphlet bringt er dieselben sinnlosen Dinge vor wie der Staatsrat, bloß noch verbrämt mit dem windigsten Hofklatsch. Das Machwerk ist nicht der Rede wert.«

»Wie soll ich mich aber verhalten, wenn der Hauser irgendwie in den Besitz eines dieser Produkte kommt?« fragte Quandt.

Hickel spazierte mit seinen langen Schritten herum und nagte mit den Zähnen nervös an der Unterlippe. »Treffen Sie Vorsorge,« erwiderte er kalt. »Lassen Sie ihn nicht aus den Augen. Mich kümmert das übrigens gar nicht; ist mir völlig egal. Man wird den jungen Mann schon karwanzen.«

Quandt seufzte. »Herr Polizeileutnant,« sagte er bedrückt, »ich kann Ihnen nicht schildern, wie mir ist. Meine halbe Seligkeit gäb’ ich drum, wenn es mir vergönnt wäre, den Menschen zu einem offenen Geständnis zu bringen.«

»Man wird’s Ihnen billiger machen,« versetzte Hickel düster.

»Wissen Sie denn das Neueste?« fuhr Quandt fort. »Der Präsident will den Hauser als Schreiber beim Appellgericht beschäftigen. Morgen soll er schon anfangen.«