»Mit dem Taschengeld wird es, nebenbei bemerkt, nächstens hapern,« sagte der Polizeileutnant, »der Graf hat mir diesmal nur die Hälfte des vereinbarten Monatswechsels geschickt. Offenbar wird ihm die Sache zu kostspielig.«

Stanhope hatte von Anfang an die für Caspar zu verwendenden Gelder an Hickel gesandt.

»Kostspielig? Dem Lord? Einem Pair der Krone Großbritannien? Diese Lappalie kostspielig!« Quandt riß vor Erstaunen die Augen auf.

»Das erzählen Sie nur keinem andern, sonst denkt man, Sie machen sich lustig über den Grafen,« sagte die Lehrerin. Neugierig prüfend schaute sie den Polizeileutnant an. Dieser aalglatte und geschniegelte Mann war ihr stets merkwürdig und reizvoll erschienen. Er brachte das bißchen Phantasie, das sie hatte, in Bewegung.

»Kann nicht helfen,« schloß Hickel unwirsch das Gespräch, »es ist so. Der Postzettel liegt bei mir zur Einsicht vor. Der Graf wird schon wissen, was er tut.«

Als Caspar nach Hause kam, fragte ihn Quandt, wie er sich unterhalten habe. »Gar nicht, es war soviel von Liebe in dem Stück,« antwortete er ärgerlich. »Ich kann das Zeug nun einmal nicht ausstehen. Da schwätzen sie und jammern, daß einem ganz dumm wird, und was ist das Ende? Es wird geheiratet. Da will ich lieber mein Geld einem Bettler schenken.«

»Vorhin war der Herr Polizeileutnant hier und hat uns eröffnet, daß der Graf Ihre Bezüge erheblich gemindert hat,« sagte Quandt. »Sie werden also alle Ausgaben überhaupt beschränken und den Theaterbesuch, fürchte ich, ganz aufgeben müssen.«

Caspar setzte sich zum Tisch, aß sein Abendbrot und sagte lange nichts. »Schade,« ließ er sich endlich vernehmen, »übernächste Woche ist der ›Don Carlos‹ von Schiller. Das soll ein herrliches Stück sein, das möcht’ ich noch sehen.«

»Wer hat Ihnen denn mitgeteilt, daß es ein herrliches Stück ist?« fragte Quandt mit der nachsichtig überlegenen Miene des Fachmannes.

»Ich hab’ Frau von Imhoff und Frau von Kannawurf im Theater getroffen,« erklärte Caspar, »beide haben es gesagt.«