Hickel räusperte sich bedeutsam. Er blickte Caspar scharf an und sagte ironisch: »Ein Poet. Unter Blumen – laß mich seufzen ...« Dann nahm er seine militärische Miene an und erklärte bündig, er habe den Präsidenten bestimmt, die unbedacht gewährte Erlaubnis zu freiem Ausgehen wieder zu kassieren. Täglich um fünf Uhr werde sein Bursche antreten, und in dessen Gesellschaft möge Caspar tun, was ihm beliebe.

Caspar blickte still auf die Gasse hinaus, wo die Frühlingssonne lag. »Es scheint –« murmelte er, stockte aber und sah ergeben vor sich hin.

»Was scheint?« fragte der Lehrer. »Nur heraus damit. Halbgesagtes verbrennt die Zunge.«

Caspar richtete die Augen forschend auf ihn. »Es scheint,« beendete er den Satz, »daß beim Präsidenten doch recht behält, wer zuletzt kommt.« Als er der Wirkung dieser bitteren Worte inne ward, hätte er sie gern wieder ungesprochen gemacht. Der Lehrer schüttelte entsetzt den Kopf, Hickel pfiff leise durch die gespitzten Lippen. Dann nahm er sein Notizbuch, das zwischen zwei Knöpfen seines Rockes stak, und schrieb etwas auf. Caspar beobachtete ihn mit scheuen Blicken, es flackerte wie ein Blitz über seine Stirn.

»Natürlich werde ich den Staatsrat von dieser unziemlichen Bemerkung unterrichten,« sagte Hickel in amtlichem Ton.

Als der Polizeileutnant gegangen war, bat Caspar den Lehrer, er möge ihn doch ausnahmsweise heute fortlassen, weil so schönes Wetter sei. »Es tut mir leid,« entgegnete Quandt, »ich muß nach meiner Instruktion handeln.«

Der Bursche Hickels erschien erst gegen halb sechs. Caspar begab sich mit ihm auf den Weg nach dem Hofgarten, aber als sie hinkamen, war die Orangerie schon geschlossen. Schildknecht schlug vor, am Onolzbach entlang spazierenzugehen; Caspar schüttelte den Kopf. Er stellte sich an eines der offenen Fenster des Gewächshauses und blickte hinein.

»Suchen Sie wen?« fragte Schildknecht.

»Ja, eine Frau wollte mich hier treffen,« erwiderte Caspar. »Macht nichts, gehen wir wieder heim.«

Sie kehrten um; als sie auf den Schloßplatz gelangten, sah Caspar Frau von Kannawurf, die in der Mitte des Platzes stand und einer großen Menge von Spatzen Brosamen hinstreute. Caspar blieb außerhalb der Sperlingsversammlung stehen; er schaute zu und vergaß ganz zu grüßen. Die Fütterung war bald beendet, Frau von Kannawurf setzte den Hut wieder auf, den sie am Band über den Arm gehängt hatte, und sagte, sie sei anderthalb Stunden lang im Gewächshaus gewesen.