»Was?« entgegnete er mit sichtlichem Unbehagen.

»Alles –?«

»Ja, alles,« sagte er dumpf, »aber ich weiß nicht, ich bin ja ganz allein.«

»Natürlich allein, aber etwas andres wünschen Sie doch gar nicht. Allein wie im Kerker, das ist es eben, nur nicht mehr drunten, sondern droben –« Sie konnte nicht weiterreden, er legte die eine Hand auf ihren Mund und die andre auf den seinen. Dabei glänzten seine Augen beinahe voll Haß. Plötzlich dachte er mit einer Art freudiger Bestürzung: ob meine Mutter so ähnlich ist wie diese da? Er hatte ein durstiges und brennendes Gefühl auf den Lippen, und es war zugleich etwas in ihm, wovor ihn widerte. »Ich geh’ jetzt heim,« stieß er mit wunderlichem Unwillen hervor und entfernte sich voll Eile.

Frau von Kannawurf sah ihm nach, und als die Dunkelheit schon längst seine Gestalt verschlungen hatte, heftete sie noch die großen Kinderaugen in die Richtung seines Weges. Es war ihr furchtbar bang ums Herz. Er ist sicher der mutigste aller Menschen, dachte sie, er ahnt nicht einmal, wieviel Mut er besitzt; was bewegt mich doch so sehr, wenn ich mit ihm rede oder schweige? Warum ängstigt’s mich so, wenn ich ihn sich selbst überlassen weiß?

Sie ging heimwärts und brauchte zu einem Weg von wenig mehr als tausend Schritten über eine halbe Stunde. Im Westen leuchteten Blitze wie feurige Adern.

Caspar hatte sich frühzeitig zu Bett begeben. Es mochte ungefähr vier Uhr morgens sein, da wurde er durch einen lauten Ruf aufgeweckt. Es war auf der Straße außerhalb des Hofs, und die Stimme rief: »Quandt! Quandt!«

Caspar, noch im Halbschlaf, glaubte die Stimme Hickels zu erkennen. Es wurde irgendwo ein Fenster geöffnet, der von der Straße sagte etwas, was Caspar nicht verstehen konnte, bald hernach ging eine Tür im Haus. Es blieb dann eine Weile ruhig. Caspar legte sich auf die Seite, um weiterzuschlafen, da pochte es an seine Zimmertür. »Was gibt’s?« fragte Caspar.

»Machen Sie auf, Hauser!« antwortete Quandts Stimme.

Caspar sprang aus dem Bett und schob den Riegel zurück. Quandt, vollständig angekleidet, trat auf die Schwelle. Sein Gesicht sah im Morgengrauen grünlich fahl aus.