»Wer hat’s gesagt?« fragte die Lehrerin.
»Der Polizeileutnant; es heißt auch allgemein so. Der Hofrat ist derselben Ansicht.«
»Es heißt aber auch, daß der Staatsrat vergiftet worden ist.«
»Ach was, dummes Geschwätz,« fuhr Quandt auf. »Hüte dich nur, daß du dergleichen verlauten läßt. Der Polizeileutnant hat gedroht, daß er die Verbreiter von so gefährlichen Redensarten verhaften lassen und unerbittlich zur Rechenschaft ziehen werde. Was macht der Hauser?«
»Ich glaube, er ist schon schlafen gegangen. Nachmittags war er bei mir in der Küche und beklagte sich über die vielen Fliegen in seinem Zimmer.«
»Weiter hat er jetzt keine Sorgen? Das sieht ihm ähnlich.«
»Ja. Ich sagte ihm, er soll sie doch hinausjagen. Das tu’ ich ja, antwortete er, aber dann kommen immer gleich zwanzig wieder herein.«
»Zwanzig?« sagte Quandt mißbilligend. »Wieso zwanzig? Das ist doch nur eine willkürliche Zahl?«
Man begab sich zur Ruhe.
Am Tage von Feuerbachs Begräbnis trafen Daumer und Herr von Tucher aus Nürnberg ein und stiegen im »Stern« ab. Daumer suchte alsbald Caspar auf. Caspar war gegen seinen ersten Beschützer frei und offen, und doch hatte Daumer den quälenden Eindruck, als sehe und höre ihn Caspar gar nicht. Er fand ihn blaß, größer geworden, schweigsam wie stets und von einer wunderlichen Heiterkeit; ja, ganz zugeschlossen, ganz eingesponnen in diese Heiterkeit, die, seltsam wirkend, dunkle Schatten um ihn warf.