Hickel raffte sich empor und erwiderte dumpf: »Graf Stanhope hat seinem Leben freiwillig ein Ende gemacht.«
Es entstand eine lange Stille. Fast alle blickten auf Caspar, der gegen eine Soffitte lehnte und langsam die Augen schloß.
»Er hat sich erschossen?« fragte Herr von Imhoff.
»Nein,« antwortete Hickel, »er hat sich erhängt.«
Raschelnde Laute des Schreckens ließen sich vernehmen. Herr von Imhoff biß sich auf die Lippen. »Weiß man Näheres?« fuhr er fort zu fragen.
»Nein. Das heißt, ich habe nur eine allgemein gehaltene Nachricht von seinem Jäger. Er war bei einem Freund, dem Grafen von Belgarde, an der normannischen Küste zu Besuch. Am Morgen des vierten September fand man ihn im Turmzimmer des Schlosses an einer Seidenschnur hängend als Leiche.«
Herr von Imhoff sah zu Boden. Als er wieder aufblickte, fixierte er den Polizeileutnant fremd und sagte: »Es tut uns allen von Herzen leid. Ich glaube, daß niemand in diesem Saal ist, der dem unglücklichen Mann nicht ein lebendiges Andenken bewahren wird. Nichtsdestoweniger, Herr Leutnant, bleiben Sie mir Ihres sonderbaren Vorgehens halber Rechenschaft schuldig.«
Hickel verbeugte sich stumm.
Die Hausfrau und mit ihr einige andre Damen waren bemüht, die Gäste zu beruhigen, aber während die Diener die Kerzen des großen Kronleuchters anzündeten, meldete man Frau von Imhoff, daß ihre Schwiegermutter, die Jubilarin, infolge der ausgestandenen Aufregung unwohl geworden sei und sich auf ihr Zimmer begeben habe. Sie folgte sogleich nach. Dies war ein Signal zu allgemeinem Aufbruch. Der Regierungspräsident und der Generalkommissär mit ihren Frauen verließen zuerst den Saal, und schließlich blieben nur ein paar intime Freunde des Barons um diesen versammelt und nahmen in gedrückter Stimmung an der weitläufigen Tafel Platz.
»Ich hab’ es immer geahnt, daß uns der gute Lord noch einmal eine grimmige Überraschung bereiten würde,« sagte Herr von Imhoff.