»Ich hatte in das Blatt einen Flecken gemacht, und den wollte ich nicht in der Schrift haben,« versetzte Caspar.

Statt aller Antwort forderte Quandt den Jüngling auf, mit ihm in sein Studierzimmer zu kommen. Seiner Frau sagte er, sie möge die Kerze anzünden, ergriff die Lampe und schritt voran. Im andern Zimmer angelangt, schloß er sorgfältig beide Türen, hieß Caspar Platz nehmen und begann: »Sie werden mir doch wohl nicht zumuten, daß ich Ihre Ausrede für bare Münze nehme?«

»Was für eine Ausrede?« fragte Caspar matt.

»Nun, das mit dem Flecken. Ich glaube nicht an diesen Flecken.«

»Warum wollen Sie es denn nicht glauben?«

»Sie kennen doch das Sprichwort: Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht. Sie, lieber Freund, lügen öfter als einmal.«

»Ich lüge nicht,« erwiderte Caspar ebenso matt und tonlos.

»Das getrauen Sie sich mir ins Gesicht zu behaupten?«

»Ich weiß nicht, daß ich lüge.«

»O, schelmischer Rabulist!« rief Quandt bitter. »Wenn ich Ihre häufigen Unwahrheiten nicht jedesmal berede, so bestimmt mich dazu die nach und nach gewonnene Einsicht, daß ich Sie von dem Übel doch nicht heilen kann. Wozu also soll ich mich vergeblich grämen? Sie sind gewohnt, so lange nein zu sagen, bis man Sie dermaßen überführt hat, daß Sie nicht mehr nein sagen können, und dann sprechen Sie dennoch kein Ja.«