»Schlecht geschlafen nicht,« erwiderte Caspar, »aber ich bin einmal aufgewacht und da war mir angst.«

»Wovor hattest du denn Angst?« forschte Daumer.

»Vor dem Finstern,« entgegnete Caspar, und bedächtig fügte er hinzu: »In der Nacht sitzt das Finstere auf der Lampe und brüllt.«

Den nächsten Morgen kam er halbangekleidet aus seinem Schlafgemach in das Zimmer Daumers und erzählte bestürzt, es sei ein Mann bei ihm gewesen. Zuerst erschrak Daumer, dann wurde ihm klar, daß Caspar geträumt habe. Er fragte, was für ein Mann es denn gewesen sei, und Caspar antwortete, es sei ein großer schöner Mann gewesen mit einem weißen Mantel. Ob der Mann mit ihm gesprochen? Caspar verneinte; gesprochen habe er nicht, er habe einen Kranz getragen, den habe er auf den Tisch gelegt, und als Caspar danach gegriffen, habe der Kranz zu leuchten angefangen.

»Du hast geträumt,« sagte Daumer.

Caspar wollte wissen, was das heiße. »Wenn auch dein Körper ruht,« erklärte Daumer, »so wacht doch deine Seele, und was du am Tag erlebt oder empfunden, daraus macht sie im Schlummer ein Bild. Dieses Bild nennt man Traum.«

Nun verlangte Caspar zu wissen, was das sei, die Seele. Daumer sagte: »Die Seele gibt deinem Körper das Leben. Leib und Seele sind einander vermischt. Jedes von beiden ist, was es ist, aber sie sind so untrennbar gemischt wie Wasser und Wein, wenn man sie zusammengießt.«

»Wie Wasser und Wein?« fragte Caspar mißbilligend. »Damit verderbt man aber das Wasser.«

Daumer lachte und meinte, das sei nur ein Gleichnis gewesen. In der Folge nahm er wahr, daß es mit Caspars Träumen eigen beschaffen war. Sonst sind Träume an ein Zufälliges geknüpft, sagte er sich, spielen gesetzlos mit Ahnung, Wunsch und Furcht, bei ihm ähneln sie dem Herumtasten eines Menschen, der sich im finsteren Wald verirrt hat und den Weg sucht; da ist etwas nicht in Ordnung, ich muß der Sache auf den Grund gehen.

Das Auffallende war, daß gewisse Bilder sich allmählich zu einem einzigen Traum sammelten, der von Nacht zu Nacht vollständiger und gestalthafter wurde und mit immer größerer Deutlichkeit regelmäßig wiederkehrte. Im Anfang konnte Caspar nur abgebrochen davon erzählen, so stückhaft wie die Bilder sich ihm zeigten, dann eines Tages, wie der Maler den Vorhang von einem vollendeten Gemälde zieht, vermochte er seinem Pflegeherrn eine ausführliche Beschreibung zu geben.