Es war schon Mitte August und große Hitze herrschte. An einem Sonntag veranstaltete der Bürgermeister ein Waldfest im Schmausenbuk; Caspar war am Morgen mit dem Stallmeister Rumpler und einigen jungen Leuten bis Buch geritten und war so müde, daß er nach Tisch in seinem Zimmer einschlief. Frau Behold weckte ihn selbst und hieß ihn sich ankleiden, da der Wagen warte, der sie zum Festplatz bringen sollte. Auf Caspars Frage, ob noch wer mitgehe, erwiderte sie, zwei Knaben führen mit hinaus, die Söhne des Generals Hartung. Da sagte Caspar enttäuscht, er wünschte, daß Frau Behold ihre Tochter mitgehen lasse, denn die werde sich grämen, wenn sie zu Hause bleiben müsse. Frau Behold stutzte und wollte zornig werden, nahm sich aber zusammen. Sie beugte sich vor, ergriff mit der Hand einen Bündel Locken auf Caspars Kopf und sagte boshaft: »Ich schneide dir die Haare ab, wenn du wieder davon anfängst.«

Caspar entwand sich ihr. »Nicht so nahe,« flehte er mit aufgerissenen Augen, »und nicht schneiden, bitte!«

»Hab’ ich dich!« drohte Frau Behold, gezwungen scherzend. »Hab’ ich dich, furchtsames Menschlein? Noch ein Widerpart, und ich komme mit der Schere!«

Während der Fahrt blieb Caspar schweigsam. Die beiden Knaben, die vierzehn und fünfzehn Jahre alt waren, neckten ihn und suchten etwas aus ihm herauszulocken, da sie stets wie über eine Art Wundertier über ihn sprechen gehört hatten. Nach Schuljungengewohnheit fingen sie an, prahlerische Reden zu führen, als ob es keine gelehrteren und scharfsinnigeren Menschen gäbe. Weit auf der Landstraße draußen rief der eine, er höre schon die Musik aus dem Wald, da entgegnete Caspar, ärgerlich über das Wesen, das die beiden von sich machten, das wundre ihn, er höre nichts, dagegen sehe er auf einer hohen Stange fern über den Bäumen eine kleine Fahne. »O die Fahne,« meinten jene geringschätzig, »die sehen wir schon lang!« Auch hierüber wunderte sich Caspar, denn er hatte sie erst im Augenblick wahrgenommen, ein schmales Streifchen, das nur im Wehen des Windes sichtbar war.

»Gut,« sagte er, »wenn sie wieder weht, will ich euch fragen, ob ihr es bemerkt.« Er wartete eine Weile und stellte dann, während die Fahne ruhig war, die irreführende Frage: »Also, weht sie jetzt oder nicht?«

»Sie weht!« antworteten die Knaben wie aus einem Mund, doch Caspar versetzte ruhig: »Ich sehe daraus, daß ihr nichts seht.«

»Oho!« riefen jene, »dann lügst du!«

»So sagt mir doch,« fuhr Caspar unbekümmert fort, »was für eine Farbe sie hat.«

Die Knaben schwiegen und guckten, dann riet der eine ziemlich kleinlaut: »rot,« der andre, etwas kühner: »blau.« Caspar schüttelte den Kopf und wiederholte: »Ich sehe, daß ihr nichts seht; weiß und grün ist sie.«

Daran war schwer zu mäkeln, eine Viertelstunde später konnten sich alle von der Wahrheit überzeugen. Aber die Knaben blickten Caspar voll Haß ins Gesicht; sie hätten gern vor Frau Behold geglänzt, die die ganze Unterhaltung wortlos mitangehört hatte.