Die Heldinnen dieser Novellen gehören zu jenen glücklichen, unglücklichen Geschöpfen, die ein Traum, ein Aberglaube, eine Sehnsucht, ein Wahn den Dingen dieser Welt entfremdet und zu neuem, wunderlichem Dasein gerufen hat. Arme Kranke sind es, aber Wassermann sucht aus dieser Krankheit die tiefsten Geheimnisse des Lebens herauszulesen. Glänzen uns hier nicht Schönheiten entgegen, die wir sonst an unserem Lebenswege vergeblich suchen? Öffnet sich hier nicht dem Blick ein neues Leben, viel wahrhaftiger, viel lebenswerter als das, an dem wir tragen? Was ist nun Wirklichkeit, was ist nun Traum? Eine holde Schwärmerei ist das Buch, in den Tönen lieblicher Inbrunst gegeben, ein holder Traum, von siegesstarken Sehnsüchten und Ahnungen durchzuckt.

(Hannoverscher Kurier)

Die Masken Erwin Reiners

Dieser Roman wird einmal in der Entwicklungsgeschichte der modernen Literatur eine wichtige Rolle spielen. Man wird ihn als einen alles Wesentliche zusammenfassenden und reflektierenden Spiegel des zügellosen Individualitätsstrebens betrachten, das doch das entscheidende Merkmal unserer modernen Romanliteratur bleibt, von ihm zugleich aber eine Wendung zum realen Leben datieren. Es sind einige Kapitel in dem Roman, die wie das Morgenrot einer neuen Klassik anmuten.

(Westermanns Monatshefte)

Wassermanns Künstlertum wird immer geklärter und reifer. Der klangvolle Fluß der Sätze, einer altgoethischen Prosa, hat in den »Masken Erwin Reiners« eine souveräne Kraft und Freiheit. Die Linie der Handlung erhebt sich planvoll und unverwirrt, wie noch in keinem Buche Wassermanns.

(Die Zeit, Wien)

Druck von Poeschel & Trepte in Leipzig

Anmerkungen zur Transkription: Dieses elektronische Buch wurde auf Grundlage der 1912 bei S. Fischer erschienenen achten Auflage erstellt. Die nachfolgende Tabelle enthält eine Auflistung aller gegenüber dem Originaltext vorgenommenen Korrekturen. Das Inhaltsverzeichnis befand sich ursprünglich am Buchende.

[Widmung]: And yet my songs comes native -> song
p 039: chmierte -> schmierte
p 040: ließen sie sich nieder und beten -> beteten
p 063: von morens bis abends -> morgens
p 063: beschwatzte er Freunde und Bekannten -> Bekannte
p 064: mit Feuer angefülllt sei -> angefüllt
p 109: [Anführungszeichen ergänzt] wen haben Sie im Verdacht?«
p 136: [Trennung] die als Schall-loch diente. -> Schalloch
p 155: Wenn du ehrlich bist, muß du -> mußt
p 185: erinnnert mich an ein Abenteuer -> erinnert
p 206: wie eine Magnetnagel -> Magnetnadel
p 219: Gruß lächend dankte -> lächelnd
p 221: Einundzwanzig Jahre waren verfloßen -> verflossen
p 224/225: [Trennung] Inzwischen faul-lenzte er -> faulenzte
p 232: [Anführungszeichen] äußerte er: »Ich habe ...«-> ›Ich habe ...‹
p 246: Herr von Wrech lies sich nicht beirren -> ließ
p 253: ließ er den Hernhuter vor -> Herrnhuter
p 274: so dünkt es es mich -> dünkt es mich
p 310: nicht um eine Uberwinterung -> Überwinterung
p 316: bewegten sich von Südost noch Südwest -> nach
p 324: etwas von einer Spiegesung -> Spiegelung
p 324: als Sie lelbst im Augenblick denken -> selbst
p 335: [Punkt ergänzt] durch pragmatische Verwicklungen.
p 336: [Punkt ergänzt] zum realen Leben datieren.