»Richtig, auch den hat der Krach zerschmettert. Sie haben es gekauft? Eine wertvolle Sache.«

»Wie gefällt es Ihnen, Hanka?« fragte Arnold fast schüchtern.

»Ganz gut. Sehr schön, – vorausgesetzt, daß Sie keine Tendenz damit verbinden.«

»Was soll das heißen?«

»Ich meine, etwa Griechentum, Schönheit und so weiter.« Hanka ging mit seinem sonderbar stampfenden Schritt umher, hatte die Hände fest auf die Hüftknochen gestemmt und so schien alles an ihm in einer Art Bewegung, ausgenommen die Augen, die in eine eingebildete Tiefe starrten und zwei Ebenholzkugeln glichen.

»Und wenn ichs täte –?« erwiderte Arnold. »Ich weiß nichts davon, aber wenn ichs täte –?«

Hanka blieb stehen. »Es wäre nicht weiter schlimm«, sagte er. »Ich meine nur, damit haben wir nichts zu tun. Das ist alles Schwindel. Wir müssen unsere Ideale viel niedriger hängen. Es ist für uns schon Ideal genug, ein anständiger Mensch zu sein. Übrigens«, fügte er hinzu, mit einer eklen Mundbewegung, als ob seine Worte ihm bitter geschmeckt hätten, »wollen Sie wirklich ein lebendes Bild machen –, dort?«

»Ich denke nein«, entgegnete Arnold.

Hanka fing an zu rauchen und zu schweigen. Arnold stand am Fenster, und blickte auf die Statue.

Hanka ging und Arnold blieb allein vor der marmornen Figur, aber wenn sie ihm gleich in Hankas Gegenwart belebt erschienen war, so erblickte er jetzt nichts anderes als den gemeißelten Stein darin. Er lauschte gegen die Straßen. Ein leises, unveränderliches Kochen, Surren und Zittern drang zu seinem Ohr und durchbrach die täuschende Stille. Dort war Leben, ewiges Wach-Sein. Ein unersättlicher Hunger erfüllte Arnolds Brust. Ohne Zögern hätte er all das Unbekannte an sich reißen mögen, anstatt hier zu sitzen und zu warten. Nicht Glück, nicht Befriedigung, nicht Ausfüllung der Stunden, nicht Freundschaft, nicht Wissenschaft war es, wonach dies Unersättliche Verlangen trug. Kein Wort konnte es benennen, kein Gedanke es umfassen. Es glich einem aufgesperrten Rachen, für den die Millionen eines Goldbergwerks nur ein verächtlicher Bissen, die Umarmung der Psyche kaum ein Tröpfchen Erquickung bedeutet hätte. Im Schmerz der Willensanstrengung oder im Rausch der Ahnung umhergetrieben, schien es ihm, als ob sein blindes Begehren die Welt ausfülle. Was ihn ehedem hatte erglühen lassen, erschien ihm nichtig, was er ehemals begehrt, bettelhaft. Zahllose Wünsche waren beschäftigt, ihm ein reizendes Wandelpanorama der Welt zu malen, dessen entzückter Betrachtung er sich hingab. Doch so oft der Sturm sich legte, woher kam es, daß aus irgend einer Ecke ein lauerndes Ungeheuer kroch, wie eine Spinne, deren feine Fäden das Herz umspannen und es kalt und lustlos machten?