»Das steht bei Ihnen«, erwiderte Dora.

Er warf fünf Gulden auf das Brett und zog lachend. Es war nichts. Zum zweiten und dritten Mal, ohne Erfolg. Er entnahm einen Hundertguldenschein der Brieftasche und wählte dafür zwanzig Lose. Von allen Seiten kamen Neugierige und stellten sich hastig drängend in engem Halbkreis auf. Hinter den Zelten wurden die Damen des Festes und mehrere Herren sichtbar. Anna Borromeo verlor keine Bewegung Arnolds aus den Augen. »Ich habe kein Geld mehr«, sagte Arnold und blickte sich um. »Aber Kredit, so viel Sie wollen!« rief Dora. Er nahm lachend zwei Hände voll Lose und schrieb einen Schuldzettel über fünfhundert Gulden. »Bravo Narziß!« rief Valescott, der ebenfalls zwischen die Zelte getreten war; die Damen klatschten in die Hände, und einige waren ihm behülflich, die Röllchen zu öffnen. Die Leute drängten sich näher. Arnold griff nach beiden noch gefüllten Schalen, schwenkte sie in den Armen und warf den leicht fliegenden Inhalt über die Köpfe der Leute hinweg. Unzählige Hände streckten sich aus, und in beängstigender Kreiselbewegung drehte sich die ganze Masse um sich selbst. Mitten in das tolle Wesen erschallte der Ruf: »Der Kaiser! Der Kaiser!«

Die Musikkapellen traten zusammen und spielten die Hymne, Soldaten schoben die Menge auseinander, und es bildete sich eine Gasse, durch welche von fern der Kaiser herangeschritten kam. Ein Schauer fuhr Arnold durch den Körper. Wie in einem früheren Dasein sah er sich selbst, mit törichten Erwartungen auf die damals so ferne Gestalt des Monarchen blickend. Nun stand der Fürst kaum fünf Schritte weit, nickte lächelnd und ging vorüber, durch das schweigende Volk.

Es wurde Abend. Auf der Balustrade am oberen Ende des Gartens war Feuerwerk.

Die Buden wurden geschlossen, und die vornehme Welt versammelte sich im Schloß, um die Tänze und lebenden Bilder zu sehen. Arnold stand unter den Bäumen und blickte still in den Lichterglanz des Gartens.

Hier war es dunkel, und er wollte ein wenig zu sich selbst kommen. Aus der Ferne kam das alberne Klappern der Musik und das Geschrei der Menschen, des »Volkes«, wie Baronin Valescott bedeutsam sagte. Arnold zuckte zusammen. Zwei Arme hatten ihn von rückwärts umfaßt, und eine Stimme flüsterte: »Schon lange, schon lange lieb ich dich.«

Als er sich umwandte, ließen ihn die Arme los, ein weißes Kleid rauschte durch das Laub, die Gestalt wandte sich noch einmal um und an einem goldenen Gürtel blitzten Smaragde im Schein einiger verirrter Lichtstrahlen.

Arnold senkte den Kopf und blieb gedankenlos lächelnd stehen. Wohl ahnte er, wer ihn umfangen hatte, doch er erstickte das Nachdenken. Denn sonst hätte er niederstürzen müssen ins Gras, um Gott zu bitten, daß er ihn flüchten lasse oder die Seele in einen stärkeren Körper presse. Er hob seine Augen eine Sekunde lang demütig zum Himmel.

Fünfzigstes Kapitel

Die Tage schlichen gleichmäßig vorüber. Arnold machte viele Besuche, aber selten vermochte ihn ein Gespräch zu fesseln. Ein paarmal suchte er Hyrtl auf, der ihn liebte und ihn auf jede Weise an sich zu binden suchte, aber der kränkliche Mann erregte seinen Widerwillen.