Achtes Kapitel

Am andern Morgen, als Arnold und Frau Ansorge beim Frühstück waren, kam Ursula und erzählte, die Felizianerinnen hätten die Tochter des Juden Elasser zu sich ins Kloster gebracht.

»Vierzehn Stunden haben die Leute nicht gewußt wo ihr Kind ist,« sagte sie. »Erst heut Nacht haben sie es durch einen Zufall erfahren.«

»Und was ist dann geschehen?« fragte Arnold.

»Der Jud ist mit dem Gendarmerie-Wachtmeister Wittek ins Kloster gegangen. Man hat sie aber nicht hineingelassen.«

»Eine wunderbare Geschichte,« bemerkte Frau Ansorge spöttisch.

Arnold erinnerte sich seiner gestrigen Begegnung mit dem Hausierer und an dessen beklommenes Wesen. »Man kann doch nicht ohne weiteres ein Mädchen rauben,« sagte er verwundert.

»Wahrscheinlich soll das Judenkind getauft werden,« antwortete Ursula.

Der Bäcker aus Podolin, der gleich darauf kam, bestätigte das Vorgefallene.

»Ich versteh das nicht,« sagte Arnold in wachsender Verwunderung zu seiner Mutter. »Können die vom Kloster ein Kind einfach stehlen?«