»Ich will nicht einsam draußen leben in der Natur, Anna. Das macht mich kaput,« sagte Borromeo auf einmal erregt, völlig gegen seine sonstige Art. Er zitterte am ganzen Körper.
»Also willst du reisen, Friedrich?« fragte Anna liebevoll.
Er schüttelte müde den Kopf.
»Höre mich,« begann Anna wieder. »Wie wäre es, wenn du nach Podolin gingest und dort –. Man würde dir die beste Pflege verschaffen ...« Sie verstummte. Borromeo schaute seine Frau groß und kalt an und erwiderte langsam: »Podolin? Ich?« Er trat zum Tisch und stützte beide Arme auf die Platte. »Eher gleich verdorren,« murmelte er vor sich hin.
Anna Borromeo war verwundert. »Arnold will es,« sagte sie, »er selbst macht dir das Anerbieten und hält es für gut.«
Da fingen Borromeos Augen zu glühen an und sein Gesicht überzog sich abermals mit Röte. »Arnold?« fragte er und nickte dazu krampfhaft mit dem Kopf. »Will –? Das ist nicht wahr! Das will Arnold nicht! Das ist eine Lüge ... eine Lüge ist es.« Er hatte den Arm ausgestreckt und deutete mit dem sich bewegenden Zeigefinger ins Leere, als ob er die Lüge mit Augen sehe. Sein ganzes Wesen war unheimlich verwandelt.
Ängstlich haschte Anna nach seiner Hand. Borromeo schloß einige Sekunden die Augen, atmete tief und sein Gesicht erhielt wieder die frühere fahle Färbung.
»Es ist nicht Lüge,« sagte Anna fast schüchtern. Sie ahnte nicht, was in diesem Augenblick in dem Manne vorging.
»Nun gut,« sagte Borromeo mit grüblerischem und traurigem Ausdruck. »Podolin, – das ist schlimm, schlimm für mich. Aus vielen Gründen, wie du dich ausgedrückt hast. Aber,« er erhob nun wieder seine Stimme, die dann nicht laut klang, aber unendlichen Zorn und Kummer in sich zu verhalten schien, »aber wenn Arnold vor mich hertritt und mir sagt: dies, Onkel Borromeo, will ich, dies halte ich für gut, nun, dann ... dann will ich nach Podolin.«
Anna senkte den Kopf, dachte noch eine Weile nach und verließ stumm das Zimmer.