Hinter den Kindern, die jetzt dem gegenüberliegenden Schulhaus entströmten, wurde Maxim Specht sichtbar. Er schritt ohne weiters auf Arnold zu und sagte mit anerkennendem Ausdruck: »Sehr schön, sehr gut. Ich habe vom Fenster aus zugesehen. Endlich einmal hat dieser Kerl eine Lektion erhalten.« Er lachte meckernd, wobei seine Augen ganz klein wurden und freundschaftlich glänzten. Dann lud er Arnold ein, ihn ein Stück Wegs zu begleiten; oft schon hätte er sich eine nähere Bekanntschaft gewünscht, sagte er. Obwohl sein Anzug ärmlich war, sah er darin adrett aus; im Gespräch war er ungezwungen und zugleich zurückhaltend. Er war sehr neugierig in bezug auf alles, was Arnold betraf.

»Wie können Sie denn das aushalten hier, das eintönige Leben?« fragte er. »Was tun Sie denn den ganzen Tag über?«

Arnold gab, so gut er konnte, Auskunft.

»Sie sind also eine Art Verwalter auf dem Gut Ihrer Frau Mutter?« meinte Specht. »Und wird Ihnen das nicht langweilig?«

»Langweilig? Nein; langweilig ist es nicht!«

»Waren Sie nie in der Stadt?«

»Nein.«

»Überhaupt noch nicht? Wie merkwürdig! Dem Äußern nach sind Sie doch ein Städter. Ihre Sprache, Ihr Gesicht, Ihr Benehmen, alles ist wie bei einem Städter. Sehr merkwürdig!«

»Ist denn das so etwas Besonderes, ein Städter?« erkundigte sich Arnold.

»Na, etwas Besonderes ... das will ich nicht gerade sagen. Aber wenn Sie die Stadt noch nicht kennen, da steht Ihnen ein großer Genuß bevor. Haben Sie noch nie Sehnsucht danach gehabt? Nein! Wie merkwürdig! Ich sage Ihnen, es ist etwas Herrliches um so eine große Stadt. Theater, Konzerte, reiche Leute, schöne Damen, Paläste, Kirchen, kolossale Straßen und abends ein Lichtermeer! Das können Sie sich nicht vorstellen. Es ist wie ein Traum. Hier versumpft man ja, glauben Sie mir.«