»Wieso? Sie meinen, daß man sparsam mit seinem Herzen sein muß.«
»Vielleicht. Oder doch, daß man das Herz nicht verschwenden soll.«
»Das scheint mir aber unmoralisch. Meiner Ansicht nach kann das Herz nicht arm werden, soviel es auch gibt.«
»Glauben Sie? Da sind Sie aber sehr auf dem Holzweg. Das Herz kann sich nämlich auch irren und sogar verirren. Und wenn es sich einmal verirrt hat, dann wird es aufgebraucht.«
»Na na, und wenn? Dazu sind wir ja da. Man kann doch nicht eine Rechenmaschine in die Brust hineinstellen.«
»Aber wenn einer ein Ziel hat, dann muß er sein Herz bewahren, sonst ist er nichts wert.«
Plötzlich erhob sich Verena und sagte: »Ich muß gehen. Ich muß zu Tetzner.«
»Wie stehen Sie eigentlich zu Herrn Tetzner?« fragte Arnold rasch.
Sie stutzte, runzelte die Stirn, antwortete aber nicht.
Kaum hatten sie auf der Straße ein paar Schritte gemacht, als Tetzners Kopf an einem ebenerdigen Fenster sichtbar wurde. »Wo steckst du, Verena?« rief er; »nimm doch den Herrn mit herein. Junger Freund, hier gibt es die seltensten Schnäpse der Welt und vieles andere, was sich sonst nur auf der Tafel des Großkhans der Bucharei findet. Kommen Sie.«