Durch alle diese Geldquellen wurde Thurneyßer sehr reich. Sein Schatz bestand aus zwölftausend Goldstücken, teils einfachen und doppelten Portugalesern, teils vierfachen Kronen, Rosenobeln, Engalotten und Dukaten. Er besaß über neun Zentner an Trinkgeschirren und einen silbernen vergoldeten Hirsch, der, nach der Sitte der Zeit mit Leuchtern ausgeziert, in seinem großen Saale hing. Seine Bibliothek soll ihresgleichen weit und breit nicht gehabt haben; sein Naturalienkabinett enthielt eine Sammlung von Pflanzensamen aus allen Teilen der Welt. Er hatte Präparate von getrockneten Teilen des menschlichen Körpers und von seltenen Tieren. Er hatte Skorpione in Baumöl, die der gemeine Mann für entsetzliche Zauberteufel ansah. Sein Garten beim Grauen Kloster war voll botanischer Kuriositäten, und ein Elentier, das ihm der Fürst Radziwill geschenkt hatte, schickte er nach seiner Vaterstadt Basel, um sich bei seinen Landsleuten in Respekt zu setzen. Die frommen Baseler hielten es aber auch für einen Zauberteufel, und ein altes Weib gab ihm einen Apfel mit zerbrochenen Nähnadeln zu fressen.

Thurneyßer zog eine Menge kunstverständige Ausländer nach Berlin und brachte auf jede Weise viel Geld in Umlauf. Eine Menge Schriftgießer, Stempelschneider, Kupferstecher, Illuminierer, Buchbinder, Kaufleute und Goldschmiede hatten beständig für ihn zu tun. Er war der erste, der die chemischen Arzneien einführte, deren kleine aber wirksame Dosen den verschleimten Ruppiner- und Bernauerbiermagen des brandenburgischen Adels annehmlicher dünkten, als die bisherigen kopiosen galenischen Arzneitränke. Er half den Alaun- und Salpetersiedereien auf, sowie den Glashütten. Aus der Grimnitzer Glashütte in der Uckermark hatte er einen gläsernen Vogelbauer, in dessen inwendigem Raum ein Vogel saß, während außen Fische schwammen. Dieser Vogel war dem gemeinen Mann gleichfalls ein Zaubervogel, da er scheinbar mitten im Wasser mit schwimmenden Fischen lustig herumsprang, als ob er in freier Luft lebte.

Vierzehn Jahre lang erhielt sich Thurneyßer in der unverminderten Gnade des Hofes. Der Kurfürst gab ihm das Zeugnis, »daß er sich nach seinen ihm von Gott verliehenen Gaben gegen ihn und dem Hause Brandenburg, auch vielen anderen hohen und niederen Standespersonen getreu, aufrichtig, nützlich und wohl erzeiget habe«. Im Jahre 1575 war Thurneyßers Frau gestorben, das Schweizerheimweh kam über ihn, der Kurfürst wollte ihn nicht ziehen lassen, nun reiste er wenigstens zu Besuch nach Basel und heiratete dort 1580 seine dritte Frau, eine Geschlechtertochter aus Basel, eine Herbrot. Sie war liederlich, er verstieß sie, und sie brachte ihn um Ehre und Vermögen. Es entspann sich ein skandalöser Prozeß, worin beide Teile Schriften gegeneinander veröffentlichten, und seine sämtlichen Habseligkeiten, die er nach Basel geschickt hatte, wurden mit Beschlag belegt und der Frau zugesprochen. Darauf entstand in der Mark eine große Hetze gegen ihn, er wurde als Zauberer, Atheist und Wucherer gebrandmarkt, ein Professor in Greifswalde predigte öffentlich gegen ihn, warnte die Gemeinden und erachtete ihn des Kirchenbanns für würdig. Er verließ Berlin, wurde katholisch, ging nach Rom und begab sich unter den Schutz des Papstes. Beim Kardinal Ferdinand von Medici, bei dem er speiste, verwandelte er einen eisernen Nagel in Gold. Nach der Tafel stellte der Kardinal darüber ein Zeugnis aus, das man lange Zeit nebst dem Nagel als große Merkwürdigkeit den Fremden in Florenz zeigte. Es fand sich aber später, daß das Wunder durch einen Betrug zustande gekommen war.

Thurneyßer lebte ein paar Monate dann in Belvedere, wanderte dann wieder nach Deutschland und starb endlich in ärmlichen Umständen in einem Kloster bei Köln, fünfundsechzig Jahre alt, genau an dem Tage, auf den er sich selbst das Horoskop gestellt hatte.

Danckelmann

Der Kurfürst Friedrich von Brandenburg und spätere erste König von Preußen überließ sich am Anfang seiner Regierung völlig der Leitung Danckelmanns, seines ehemaligen Hofmeisters. Eberhard Danckelmann war 1643 geboren; er war ein Fremder, ein Westfale aus der damals noch nassau-oranischen Stadt Lingen, wo sein Vater, der berühmte gelehrte Sylvester, Landrichter war. Die Familie war bürgerlich, hatte aber die Tradition, daß einer ihrer Vorfahren einem deutschen Kaiser durch treue Wachsamkeit das Leben gerettet und dieser ihm mit den Worten: »Danke, Mann«, den Ritterschlag erteilt habe. Das Wappen, das dieser Tradition Wahrscheinlichkeit geben sollte, war ein Kranich.

Der junge Danckelmann war eine Art Wunderkind gewesen; er hatte in Utrecht studiert, hatte hier schon in seinem zwölften Jahr eine Disputation gehalten und dann die europäische Turnee durch England, Frankreich und Italien gemacht. Er war zwanzig Jahr alt, als ihn der Große Kurfürst auf einer Reise nach Holland kennen lernte und zum Lehrer des damals fünfjährigen Prinzen Friedrich Wilhelm annahm. Zwei Jahre später, 1665, wurde er Titularrat, 1669 Halberstädtischer, 1676 kurmärkischer Regierungsrat, und noch unter dem Großen Kurfürsten Kammer- und Lehnsrat. Zweimal vor Friedrichs Regierungsantritt rettete er dem Prinzen das Leben, 1680 bei dem angeblichen Vergiftungsversuch durch die Stiefmutter, und sieben Jahre darauf bei einem Stickfluß, wo er ihm gegen den Rat der Ärzte eine Ader schlagen ließ und ihn so wieder zum Bewußtsein brachte. Kurz nach seiner Thronbesteigung ernannte ihn Kurfürst Friedrich zum Regierungspräsidenten in Cleve, und am 2. Juli 1695, bei der Zusammenkunft der sieben Brüder Danckelmann, die alle hohe Ämter im Brandenburgischen bekleideten, bei offener Tafel zum Premierminister mit dem ersten Rang am Hofe. Friedrich setzte die Bestallung eigenhändig auf. Es heißt darin, daß Danckelmann ein vollständiges Exempel ungefärbter Treue, unablässiger Applikation in der Beförderung der Gloire des Kurfürsten und aller andern, dem Diener eines großen Herrn wohlanständigen Tugenden und Qualitäten sei. In demselben Jahre ließ ihn der Kurfürst mit seinen sechs Brüdern von Kaiser Leopold in den Reichsfreiherrenstand erheben, und der Kaiser gab ihnen zu dem bisher im Wappen geführten Kranich sieben mit einem Ring zusammengehaltene Zepter, »damit deren Posterität aus denen sieben Zeptern die Urheber dieser unserer ihnen erteilten Gnad und Würde als sieben Brüder, welche gleichsamb an einem Ring beisammen halten umbsomehr abnehmen und vermerken können«. So das Diplom; und es besagte auch, daß Eberhard Danckelmann den ihm angetragenen Grafenstand abgebeten habe, um mit seinen Brüdern im gleichen Stand zu bleiben. Der Kurfürst verlieh ihm noch die Erbpostmeisterwürde, die Hauptmannschaft zu Neufeld an der Dosse und ansehnliche Lehne und Güter.

Er leitete die Finanzen und alle Hauptgeschäfte. Man nannte ihn den Colbert der brandenburgischen Staaten. Er vermehrte die Jahreseinkünfte aus den Domänen um hundertfünfzigtausend Taler. Er regierte mit seinen sechs Brüdern, von denen er der mittelste war. Man nannte diese Regierung der sieben Brüder Danckelmann, die als rechtschaffene Männer im Volk beliebt waren, die Herrschaft der Plejaden oder des Siebengestirns. Der älteste Bruder war Resident im westfälischen Kreis. Der zweite außerordentlicher Gesandter beim König von England, der dritte Kammergerichts- und Konsistorialpräsident, der vierte Generalkriegskommissär, der fünfte Kanzler zu Halle und außerordentlicher Gesandter am kaiserlichen Hof und der sechste Kanzler zu Minden.

Danckelmann war ein tüchtiger und verdienstvoller, ein sehr selbstbewußter und gegen den alten Adel sehr stolzer Mann. Er war von tiefmelancholischem Temperament; man hat ihn niemals lachen gesehen. Sein Unglück schwebte dunkel vor seiner Seele, als er noch im höchsten Glücke war. Eines Tages gab er dem Hof zur Einweihung seines neuen Hauses ein Fest. Die Gesellschaft tanzte im großen Saal, Danckelmann befand sich mit dem Kurfürsten in seinem Arbeitskabinett. Mit dem Wohlgefallen eines Kenners betrachtete Friedrich einige Gemälde, die dort an den Wänden hingen. »Das sind schöne Bilder,« meinte der Kurfürst. »Ach,« erwiderte Danckelmann mit bitterem Lächeln, »die Bilder und was ich sonst noch Kostbares besitze, wird ja doch einst, bald vielleicht, das Eigentum von Eurer kurfürstlichen Gnaden sein, wenn meinen Feinden gelingt, wonach sie so eifrig trachten, mir die Liebe meines Herrn zu entfremden.« Da legte der Kurfürst die Hand auf die Bibel und antwortete, der Fall könne sich nie ereignen.