Die Schaffnerin schüttelte den Kopf.
»Warum denn nicht?« fragte der Amtmann und verzog den Mund.
»Ich will mit dem Tarnow Vielliebchen essen,« sagte die Schaffnerin.
»Da sehen Sie, Tarnow, was Sie voraus haben vor mir,« scherzte der Amtmann und hörte auf zu essen. Gleich darauf erhob er sich und verließ den Raum. Sein eignes Arbeitszimmer lag über dem Wohnzimmer und die beiden vernahmen jetzt ein beunruhigendes Gepolter und Geklirr über der Decke. Tarnow sah die Miresin auf dem Hofe stehen und ängstlich in die Höhe deuten. Da stand auch Tarnow auf und folgte dem Amtmann.
Als er oben in die Stube trat, sah er den Amtmann mit blutenden Händen umherrasen. Er hatte die Fensterscheiben mit der Faust eingeschlagen. Er stürzte nun auf Tarnow zu und stieß ihn mit voller Kraft vor die Brust, daß Tarnow taumelte und rückwärts zur Erde fiel. Tarnow raffte sich wieder auf, um still fortzugehen. Aber der Amtmann ergriff ihn, stieß ihn aus der Stube, durch den Vorplatz, über die Treppe hinab bis in sein Schlafzimmer. Sein Gesicht war scharlachrot geworden, Schaum stand vor seinem Munde und er ächzte: »Gehen Sie zum Teufel, zu Ihrer Braut, zu Ihrer ..... Nehmen Sie Ihre Bücher und bleiben Sie in Ihrem Loch, aber kommen Sie nicht mehr in meine Zimmer.«
Tarnow verhielt sich ruhig und erwiderte keine Silbe. Im Wohnzimmer fand er die Schaffnerin nicht mehr. Auch im Hofe war sie nicht, auch im Garten nicht. Während der Nachmittagsstunden hatte er Briefe zu schreiben, und er that seine Arbeit mit derselben Genauigkeit wie immer. Es war still im Hause. Die Leute waren auf den Feldern und es war drückend heiß. Der Bau der Waschküche war schon ziemlich weit vorgeschritten. Die Hühner hockten schläfrig im Sand, der warme Geruch aus den Ställen durchdrang auch das ganze Haus.
Als Feierabend kam und die Sonne rasch gegen Westen sank, saß Tarnow in seinem eigenen Zimmer und las in einem alten Geschichtenbuch, das er noch von seiner Mutter hatte. Plötzlich trat der Amtmann ein, den er den ganzen Nachmittag hindurch nicht gesehen hatte.
»Guten Abend,« sagte der Amtmann rauh und zog einen Stuhl herbei. Seine Stirn war gefurcht, seine Augen loderten bisweilen auf; im ganzen war etwas Zerschlagenes in seinem Wesen.
Tarnow erwiderte den Gruß.
Der Amtmann schwieg lange. Er starrte unbeweglich vor sich hin. »Nun, mein lieber Tarnow,« sagte er endlich, »wollen Sie denn wirklich die Leutholdin heiraten? Sie dürfen ganz offen mit mir reden. Aber ich komme jetzt daherein zu Ihnen wie ein guter Freund. Passen Sie auf, sie hat ja eine ganz hübsche Fratze, das läßt sich nicht leugnen. Aber sie hat keine Bildung, sie hat keine Erziehung, sie hat kein Vermögen. Na, sind das nicht große Fehler in Ihren Augen? Mein Gott, sie kann ja nähen und flicken und kochen und sie hat ein ganz gutes Herz, aber da giebt’s viele. Haben Sie sich denn das nu genau überlegt?«