»Sehen Sie, Klein, jetzt schließt sie doch ihre Thür nicht zu,« sagte Tarnow und biß wie verzweifelt in sein Kissen.
Der Jäger, verwundert, den Tarnow heute so redselig zu finden, brummte bestätigend.
Es schlug elf Uhr.
Die Hitze, in der Tarnow lag, wurde zu einer furchtbaren Glut. Alle Beleidigungen, die er in diesem Haus erlitten, vom ersten Tag an bis heute, alles trat ihm vor die Seele. Dann lag er gedankenlos im Bett. Er fühlte nur noch ein Sausen und Brausen, als ob ihm das Gehirn im Kopf herumgewälzt würde. Er konnte es nicht mehr aushalten im Bette; auch die Stille im Haus war ihm zu groß. Sie drückte weniger auf ihn, wenn er saß, als wenn er lag. Er setzte seine Füße hinaus, zog seine Pantoffeln an, blieb aber so sitzen und sitzen, hörte halb zwölf und zwölf und halb eins und eins schlagen. Dann zog er seine Strümpfe und Beinkleider und seinen Überrock an und fragte: »Schlafen Sie, Klein?«
Keine Antwort kam. Klein schlief.
Er verließ die Stube. Er riegelte das Hausthor auf und ging in den Hof, wo ihn ein jagender Wind empfing. Er lief ein ganzes Stück hinaus in die Wiesen und kehrte dann ebenso schnell laufend wieder um. Er ging dann in die Amtsregistratur. Er wußte, daß der Amtmann in der Registratur an einem Nagel einen Strick aufbewahrte. Er ging immer schnell und fühlte nur das Sausen und Brausen in seinem Kopf. Er fand den Strick nicht an dem Nagel. Aber im Finstern suchte er und fand den Strick an einem zweiten Nagel. Und er nahm den Strick und steckte ihn in die Tasche.
Dann stand er wie erstarrt still und sagte ziemlich laut: »Nein, mit dem Strick geht es nicht.« In einem Zimmer nebenan stand eine Kiepe mit Eisenzeug. Er nahm einen Hammer daraus, den größten und schwersten, den er fand. Sobald er den Hammer in der Hand hatte, wurde es ruhig um ihn und das Sausen und Brausen hörte auf. Er dachte: ich mache es wie der Blutmartin, dessen Bild ich auf der Messe gesehen habe. Und wenn er seine Thür zugesperrt hat, will ich ihn um Zündhölzer bitten; will sagen, es ist mir recht schlecht, Herr Amtmann, zünden Sie mir die Kerze an.
Er stand vor der Thür der Schaffnerin, kniete hin und betete.
VIII.
Zwei Stunden später, ungefähr um drei Uhr morgens, kehrte er in seine Stube zurück. Es tagte schon. Drüben, in der Richtung des Klosters, wurde der Himmel schon fahl; die Vögel begannen zu zwitschern, erst schüchtern, gleichsam fragend, dann zuversichtlich, dann ganz stürmisch.